EVE Online – Marita, der Weg des Lichtes.

Für die zwölf Novizinnen war Heute der große Tag. Heute würden sie dem ehrwürdigen Orden der Schwestern der Heilige Gaea, Wächterin des Lichtes (Sister of the Holy Gaea) beitreten, würden Teil werden der Gemeinschaft. Marita empfand Stolz, war aufgewühlt, wurde nervös, fragte sich, ob es überhaupt gestattet war, Stolz zu empfinden, war Stolz nicht eine Schwäche der Seele? Vielleicht doch, aber durfte man nicht trotzdem ein bisschen auf sich selbst Stolz sein? Sie wurde unsicher. Hatte sie etwa Angst? Zweifel kam auf. Sie fragte sich ob es das Richtige wäre, dem Orden beizutreten. Noch konnte sie gehen; noch konnte sie einen Rückzieher machen. Niemand im Himmel oder in New Eden hätte ihr Vorwürfe machen können, wenn sie jetzt … Sie dachte kurz nach, … doch, ihre Großmutter wäre sicher enttäuscht, ihre Eltern eher nicht, die waren vor Jahre gestorben. Sie hatte nur noch Großmutter, sie durfte sie nicht enttäuschen. Sie dachte an das zehnjährige Studium, welches hinter ihr lag. Eine lange Zeit. Sollte dies für nichts gewesen sein? „Nein!“ Sagte sie sich selbst, „du hast nicht Theologie, Geschichte, Philosophie, Physik und vieles anderes studiert, um dann einen profanen Job bei einer der Corporations zu ergattern… Nein! Du bist nicht Kapselpilotin geworden, hast nicht Kampfsport betrieben, um für die profanen Interessen einer wirtschaftsorientierten Corporation den Kopf hinzuhalten.“ „Fragen, ich muss jemanden fragen, aber wen sollte sie denn fragen?“

Es gab hier niemanden, den sie jetzt fragen konnte, die zwei Schwestern die vor ihnen standen und sie beobachteten schon gar nicht, und sprechen war ihnen jetzt nicht gestattet. „War das jetzt etwa Angst, die sie da beschlich?“ „Warum in Gottesnamen kamen in ihr jetzt Zweifel auf, dachte sie, konnte es sein, dass dem Orden beizutreten die falsche Entscheidung war?“ „Wenn sie jetzt den Weg weitergeht, würde sie dann überhaupt fähig sein, den zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden, … Was, wenn ich versage, … Bin ich überhaupt würdig dem Orden beizutreten?“

Eine Flut von Gedanken schossen durch ihren Kopf. „Irgendwo war doch mal was mit Gut und Böse gewesen.“ „Bin ich, tief in mir drin etwa böse?“ fragte sie sich. „Nein! Bin ich nicht.“ Sie richtete ihre Gedanken auf ihre Freundinnen. „Für was hat man den sonst Freundinnen, wenn nicht um sie um Rat zu fragen oder sich ihnen anzuvertrauen?“ Sie schaute nach links, da neben ihr stand Safra Tesh-Keram-Khanida. Seit ihrer Kindheit kannten sie sich, waren am gleichen Tag als Novizinnen dem Orden beigetreten, hatten zusammen die zehnjährige Studienzeit verbracht, hatten ein gemeinsames Zimmer belegt und immer zueinander gehalten. „Ja! Safra wurde ihr helfen.“ Aber wie sollte sie jetzt ihre Freundin fragen? Sprechen war ja nicht erlaubt. Leicht drehte sie ihren Kopf nach Links, da müsste Safra ja stehen, … aber was war denn mit der los?“ Safra stand regungslos da, war ganz blass, schien geistesabwesend zu sein. „Safra, bitte hilf mir“, wollte sie ihr zurufen. Dann spürte sie jemanden Anwesenheit hinter ihr. Spürte wie ihr jemand einen leichten Klaps auf den Rücken gab.

„Das konnte nur Schwester Dana sein, Ihre Klassenmentorin. Warum hilft sie uns jetzt nicht? Sie war doch zehn Jahre lang immer hilfsbereit gewesen, wenn eine von uns in Nöten war. Warum…? Eine Flut von Fragen überflutete sie. Sie suchte nach Antwort, fand aber keine. Ihr Mund wurde trocken, gerne hätte sie jetzt etwas Wasser getrunken. Rasend schlug ihr Herz, ihr Magen schien sich zu einem Klumpen zusammen zu ziehen. Sie gestand sich selbst ein, „Du hast Angst, Angst zu versagen.“ Einen neuer Gedanke keimte in ihr: „Wie hatte ihre Großmutter mal gesagt?“ Sie begann ein Selbstgespräch zu führen, begann Für und Wider abzuwägen. In Gedanken sah sie ihre Großmutter vor sich, sah wie sie in einem weißen wallenden Kleid gehüllt auf sie selbst zukam und sie anlächelte. „Was soll das Omi“, wollte sie schreien, „ich habe Fragen an Dich, und Du lächelst mich an, warum hilfst du mir nicht?“. In ihrer Vorstellung schien Großmutter etwas zu sagen … „Wie war das, Omi ich habe dich nicht verstanden, bitte hilf mir“ Sie hörte, wie hinter dem Tor eine Trommel geschlagen wurde, nach und nach gesellten sich zusätzliche Trommeln dazu. Gedanken rauschte durch ihren Kopf. Sie war jetzt total verwirrt, wusste nicht mehr, was das Richtige wäre. Schnell musste sie eine Antwort finden, aber welche war die Richtige. Dann plötzlich schien ein Gedanke die anderen zu verdrängen. „Alle Dinge geschehen aus Notwendigkeit; es gibt in der Natur kein Gutes und kein Böses.“ hatte einst ihre Großmutter ihr gelehrt, aber in welchem Zusammenhang? Die Trommeln schlugen jetzt in einem regelmäßigen Takt. Dann veränderte sich alles; es schien ihr, dass bei jedem Trommelschlag ein verwirrender Gedanke verschwand; es war als wäre die Quelle der Verwirrungen versiegt. Zu den Trommeln war jetzt Gesang gekommen. Im großen Tempelsaal sangen die Schwestern des Chorus die Gebete. „Alle Dinge geschehen aus Notwendigkeit; es gibt in der Natur kein Gutes und kein Böses.“ … Ja, sie erinnerte sich und das stimmte sie traurig. Sie erinnerte sich wie es war, damals, als sie weinend vor ihrer Großmutter stand und um ihre Eltern weinte. Eine Agentin der Corporation hatte damals die Nachricht überbracht, dass die Bergbaukolonie in der Ihre Eltern tätig waren, durch eine Piratenhorde überfallen und größtenteils zerstört worden war, dabei wurden ihre Eltern und ihr kleiner Bruder getötet. „Wo seid Ihr? Warum wurdet Ihr ermordet? Was soll denn da der Sinn sein? Das soll nicht Böse gewesen sein?“ Sie erinnerte sich, wie Großmutter sie in die Arme nahm, sie fest an sich drückte und ihr Mut zusprach. Sie hatte es nicht verstehen können; in ihrem Zorn hatte sie sogar gesagt, dass sie ihre Eltern rächen würde, dass sie eine Große Kriegerin werden wolle und die Täter bestrafen würde. Darauf hatte Großmutter geantwortet: „Gewalt bringt keine Pflanze zum Wachsen. Sie reißt höchstens ihre Wurzeln aus. Wenn Du stärker sein willst als die Täter, dann nutze deinen Verstand, nutze die göttliche Kraft die in Dir ist. Ich weiß, Du bist noch ein Kind und es scheint Dir unverständlich … aber eines Tages wirst Du es verstehen. Dann wirst Du auch die Übeltäter besiegen können.“ Noch konnte sie es nicht verstehen. „War es überhaupt möglich, es zu verstehen?“ fragte sie sich. Sie erinnerte sich „Alle Dinge geschehen aus Notwendigkeit; es gibt in der Natur kein Gutes und kein Böses.“ … In Gedanken fragte sie sich, ob ihre Eltern stolz wären auf ihre Tochter, ob sie es richtig fänden, dass sie Marita, ihre einzige Tochter dem Orden beitreten wolle. Sie erinnerte sich, dass ihre Mutter und auch Ihre Großmutter dem Orden als Laienschwestern gedient hatten. „Ja“, sagte sie sich, „sie wären stolz auf mich.“ Hinter dem Goldenen Tor durch welches sie heute den Großen Tempelsaal betreten würden, schlugen die Trommeln in einem regelmäßigen Rhythmus. Was geschah dort? Wie lange würde es noch dauern? Seit mehr als zwei Stunden standen sie regungslos vor dem verschlossenen Tor. Sie wollte Großmutter sehen. Wollte an der Aura von Ruhe und Kraft, die sie ausstrahlte, laben. Sie hatte sich immer gewundert, woher die alte Dame diese Kraft bezog. Sie konnte ihre Gedankengänge wieder einordnen, sie begann damit, Für und Wider gegeneinander abzuwägen, dann erinnerte sie sich eines philosophischen Lehrsatzes des Ordens: „Das wahre Glück und die wahre Seligkeit eines Jeden besteht in dem Genuss des Guten, aber nicht in dem Ruhme, dass er es allein und mit Ausschluss der Anderen genieße. Denn wer sich deshalb für glücklicher hält, weil nur er und nicht auch die Übrigen sich wohl befinden, oder weil er glücklicher als die Anderen ist, der kennt das wahre Glück und die wahre Seligkeit nicht, und die Fröhlichkeit, deren er genießt, ist nur eine kindische, die bloß aus Neid und Bosheit entspringt.“ In der Klosterschule wurde ihr gelehrt, dass das wahre Glück und die Seligkeit des Menschen nur in der Weisheit und Erkenntnis der Wahrheit zu finden sei. „Ja, dachte sie, das wird wohl so sein, aber hilft mir das jetzt weiter? Und was ist eigentlich, Wahrheit? Gibt es das eigentlich? Im Imperium preisen wir einen Gott an, sehen ihn als einen Schöpfer, aber aus welchem Recht heraus sollen oder können wir behaupten sein auserwähltes Volk zu sein? Ist das überhaupt möglich?“ Sie erinnerte sich, als sie vor einigen Jahre in einem philosophischen Disput einem anwesenden Prälaten des Theology Council eine ähnliche Frage stellte. Der Prälat war damals richtig zornig geworden, hatte ihr sogar gedroht und ihr befohlen solch ketzerische Gedanken zu vergessen und nur das Eingreifen einer anwesenden Alma Matria konnte die Wogen glätten. Ihre Gedanken drehten sich jetzt allesamt um theologische Fragen. „Wir haben doch in den letzten Jahren, die theologischen Ansätze aller Religionen und Glaubensrichtungen der uns bekannten Völker New Edens studiert; und eines haben sie alle gemeinsam: Alle Völker sehen ihren Glauben als den Wahren an; das konnte doch gar nicht sein, warum gibt es so viele Unterschiede zwischen den religiösen Glaubensansätzen in New Edens, wenn alle wahr sein sollen? Hatte hier jeder seine eigene Wahrheit? War es ketzerisch, etwas in Frage zu stellen? Wie sollte man denn eine Antwort finden, wenn das Fragen verboten ist? “ „Weisheit und Erkenntnis, ja schön, aber wo finde ich die“, fragte sie sich. Es kamen ihr zwei andere philosophische Ansätze des Ordens in den Sinn: „In der Natur der Dinge gibt es nichts Zufälliges; sondern alles ist aus der Notwendigkeit der göttlichen Natur heraus bestimmt, auf eine gewisse Weise zu existieren und zu wirken.“ und „Zufriedenheit mit sich selbst kann aus der Vernunft entspringen, und gerade diese Zufriedenheit, welche aus der Vernunft entspringt, ist die höchste, die es geben kann.“ Sie grübelte darüber nach: „Waren diese Sätze der Weg zur Weisheit und Erkenntnis? Dann geschah etwas. Sie sah, wie die zwei Schwestern, welche schon die ganze Zeit zehn Schritte vor ihnen gestanden hatten, rückwärts zum Goldenen Tor schritten und sich dann zum Tor wendeten. Im Großen Tempelsaal verstummten die Trommeln und kurz darauf der Gesang. Ein Horn tönte, dann wurde es still. Eine der Schwestern schlug mit einer Art von Hammer gegen das Tor. Eine Stimme fragte; „Wer begehrt Einlass?“ Mit lauter und klarer Stimme antworte die Schwester: „Zwölf Novizinnen hegen den Wunsch dem Orden beizutreten und begehren Einlass.“ Dann glitten die Torflügel auseinander; das Tor öffnete sich. Jetzt, bei geöffnetem Tor, fiel ihr die Größe des Durchgangs auf. Der Saal dahinter muss ja gigantisch sein, dachte sie. Sie war noch immer in ihren Gedanken vertieft, als sie sah, wie Schwester Dana sich vor ihnen hinstellte und sie dann mit dem lang erwarteten Zeichen aufforderte durch das Tor zu gehen. Zögerlich und etwas steif setze sich Safra Tesh-Keram-Khanida in Bewegung, Marita folgte ihr auf dem oft eingeübten Abstand von drei Schritten, gefolgt von Noomma Karshan und den anderen.

Ihr Herz pochte, sie schritt durch das Tor und befand sich in einem abgedunkelten Raum. „Was ist denn das?“ fragte sie sich, als ihr einfiel was, Schwester Dana ihnen erklärt hatte. „Wenn das Goldene Tor sich öffnet, werdet Ihr dort hineingehen, in einem Zwischenraum wird eine der Vier Alma Matrias stehen. Jede von Euch wird, bei ihr halt machen. Sie wird euch folgende Fragen stellen: „Willst du Novizin begehen den Schritt? Willst du verlassen die profane Welt? Willst du dem Orden beitreten und dem Allmächtigen dienen? … Aber wisse, dass wer von der Furcht geleitet wird und das Gute tut, um ein Übel zu vermeiden, der wird nicht von der Vernunft geleitet. Wenn Deine Antwort auf alle drei Fragen ja lautet, dann mache den nächsten Schritt, betrete den Heiligen Schrein.“ Sie hatte ihnen auch erklärt, dass nach Beantwortung der Fragen jede von ihnen durch zwei Schwestern in den großen Tempelsaal und durch das Ritual weitergeführt werden. Sie sah, wie Safra Tesh-Keram-Khanida bei der Alma Matria stehen blieb und in drei Schritte Abstand hielt sie ebenfalls inne. Hinter ihr wurde es ruhig, alle waren durch das Tor geschritten und standen jetzt wartend auf das weitere Geschehen, in der Reihe. Sie hörte, wie die Alma Matria der ersten Novizin die Fragen stellte: „Willst Du …“ Safra schien zu zögern, dann aber antwortete sie mit einem etwas erstickten „Ja“. Von rechts und links erschien jeweils eine weiß gekleidete Schwester, sie nahmen Safra bei den Händen und führten sie weiter. Sie machte drei Schritte nach vorne und blieb stehen. Ihr Herz pochte rasend, sie hörte wie weit weg jemanden ihr Fragen stellte. „Willst Du…“ „Den Satz hatte sie doch schon mal gehört, aber was … ja, ich muss ja antworten“ Sie probierte zu antworten, aber kein Ton kam über ihre Lippen. Verzweifelt blickte sie zur Alma Matria. Die blickte ihr in die Augen, dann formte sie mit ihren Lippen ein stilles ja. Marita versuchte es noch mal, atmete tief durch und brachte ein mühsames „Ja“ hervor. Sie spürte, wie sie links und rechts an den Händen gefasst und nach vorne, in einen dunklen Gang geführt wurde. Dann wurde es heller, sie waren in einem Zwischenraum dessen Wände golden schimmerten. Vor ihr stand Safra, flankiert durch die zwei Schwestern. Sie hörte, nein eher fühlte sie, wie die anderen Novizinnen eine nach der andere den Raum ebenfalls betraten. Als letzte schien Schwester Dana den Raum betreten zu haben. Sie ging rechts von ihnen vorbei und nahm vor der Gruppe Platz ein. Ein weiteres Tor ging auf, angeführt durch die Mentorin setzte sich die Gruppe in Gang. Sie betraten jetzt den Großen Tempelsaal. Sie war jetzt im Allerheiligsten Ort des Ordens. Noch nie hatte sie den heiligen Saal betreten dürfen, er war ein für Laien geheimnisumwitterter Raum und würde es wohl immer bleiben. Sie war überwältigt, der Saal war quadratisch und einfach gigantisch. Gewaltige Säulen trugen eine reich verzierte Decke. Die Wände schimmerten in allen Farben des Spektrums. Der Flur war aus einem ihr unbekannten Material, es war weder Holz noch Stein. Am anderen Ende des Saals schien es eine im Halbkreis angelegte gewaltige Treppe zu geben, in der Mitte auf ungefähr halber Höhe stand etwas, das wie einen Altar aussah. Neben dem Altar stand einen Baum welcher schien Früchte zu tragen. Die Mauer hinter dem Altar und der Treppe war reich verziert mit Wappen und Emblemen des Ordens. Am meisten aber faszinierte sie ein großes Auge, zumindest sah es so aus wie ein Auge, welches über den Altar zu wachen schien. Etwas unterhalb stand einen reich verzierter Thron, auf dem eine fast winzige Person saß. Die Matria Suprema, schoss es durch ihren Kopf, die Mutter Oberin des Ordens. Sie wusste nur, dass die Matria Suprema sehr alt sein musste und über sehr viel Macht verfügte. „Aber warum war sie alleine hier…und warum ist sie so klein?“ dachte sie, als die Gruppe vor einem im Boden eingelassenen Wasserbecken stehen blieb. Schwester Dana kniete sich hin und senkte ihr Haupt. Die Novizinnen und die Schwestern, die sie hergeführt hatten, taten es ihr gleich. Sie fühlte sich jetzt ganz klein; probierte etwas zu sehen, aber sie konnte nur den Flur sehen. „Jetzt bloß keinen Patzer.“ Sie hatte das Gefühl, in einer anderen Dimension zu schweben. Irgendwo hörte sie Schritte, immer mehr Schritte. Es schien, als würden eine Menge Menschen den Saal betreten. Als scheinbar alle ihre Plätze erreicht hatten und es wieder still wurde begann irgendwo eine Flöte leise zu spielen. Ein Chor stimmte kurz darauf ein leise gesungenes Gebet an: „Keusche Göttin im silbernen Glanze, Teile Segen auf die Dir geweihte Pflanze! Deines Anblicks lass uns erfreuen, wolkenfrei und schleierlos!“ Dann ertönte eine Posaune. Der Gesang ging Crescendo, scheinbar sangen jetzt alle Anwesenden. „Schleierlos, ja, schleierlos! Lass nicht Zwietracht sich erneuen, Träufle Balsam in die Wunden, Bis den Frieden wir gefunden, Der erkeimt aus deinem Schoss.“ Dann verstummte der Gesang.“ Noch immer knieten die Novizinnen und die ihr zugeteilten Schwestern vor dem Wasserbecken. Eine helle, feste Stimme erhob sich. „Das muss die Matria Suprema sein, so klein und eine solch kräftige Stimme.“ dachte Marita: „Ihr, die in Demut vor dem heiligen Wasser und dem Baum des Wissens kniet, gesegnet seid Ihr. Schwester Dana, hast Du, die Dir anvertrauten Novizinnen nach besten Wissen und Gewissen geführt?“ „Ja, Ehrwürdige Mutter, das habe ich.“ „Haben die Novizinnen die Prüfungen bestanden?“ „Ja, das haben sie.“ „Sind die Novizinnen würdig dem Orden beizutreten.“ „Ja, das sind sie.“ „Sind die Novizinnen aus freiem Willen hier? “ „Ja, das sind sie.“ Einen Moment wurde es still, dann sagte sie: „Erhebt euch“ Alle standen auf und blickten zur Matria Suprema. Marita warf einen raschen Blick um sich, und war überwältigt. Der Raum war voller Menschen, voller Schwestern in der Ordenstracht, bestehend aus einer weißen Tunika, einem schwarzen Skapulier, welcher mit einer weißen Kordel gebunden war, sowie eine schwarze Haube. Jenseits des Wasserbecken standen links und rechts jeweils sechs Schwestern, die Bündel auf ihren Arme trugen. Schwester Dana ging nach vorne, über eine Treppe stieg sie in das Wasserbecken, watete durch das hüfthohe Wasser zur Mitte, wo sie stehen blieb. Safra, wurde in das Wasserbecken geführt. Bei Schwester Dana angekommen hielt die Gruppe an. Die Schwestern, die sie führte, hoben beidseitig das safrangelbe Novizen Habit hoch und zogen es ihr aus. Nackt stand sie im Wasserbecken.

Schwester Dana nahm eine golden schimmernde Kelle und goss ihr damit Wasser über den Kopf: „Gereinigt sei Deine Seele und frei von allen Übeln.“ Die zwei Schwestern führten Safra über eine Treppe am anderen Ende des Wasserbeckens zu den dort wartenden Schwestern, die ihr dann das Ordens Habit überzogen und richtig ausrichteten. Marita spürte wie die zwei ihr zugeteilten Schwestern sie nach vorne zogen, willig folgte sie. Sie spürte, wie das Wasser über ihren Kopf lief und hörte Schwester Dana sagen „Gereinigt sei deine Seele und frei von allen Übeln.“ Dann wurde sie weiter geführt zu den Schwestern, die ihr das Habit überzogen. Ihr Herz pochte, sie hatte das Gefühl zu träumen. Als alle Novizinnen das Ritual bestanden und das neue Habit erhalten hatten und sich in einer Reihe aufgestellt hatten, begann wieder die Flöte zu tönen. Die anwesenden Schwestern intonierten erneut ein gesungenes Gebet. Die Matria Suprema glitt von ihrem Thron und ging zu dem Früchte tragenden Baum. Mit einer Sichel schnitt sie zwölf Früchte ab und legte sie auf eine Schale, welche durch eine dort wartende Schwester gehalten wurde. Dann kam sie, gefolgt durch die Trägerin, mit langsamen Gang die Treppe herunter auf die Novizinnen zu. Sie blieb vor jeder von ihnen stehen, legte jeder ihre rechte Hand auf die Stirn, übergab jeder eine Frucht und sagte: „Tief in Dir wohnt eine allwissende Kraft. Sie ist in jedem Moment bereit, mit Dir in Kontakt zu sein und Dir in ihrer grenzenlosen Intelligenz und Weisheit zu dienen. … Hier nimm und esse die Frucht der Reinheit, sie wird Dir geben die Weisheit.“ Nachdem alle die Früchte aufgegessen hatten, schritt die Matria Suprema etwas zurück und schaute mit einem strengen Blick auf die zwölf Schwestern. Mit ernster Stimme sagte sie dann: „Gelobt ihr, dem Allmächtigen zu dienen? „Gelobt ihr, dem Orden zu dienen, die Regeln einzuhalten, die euch anvertrauten Geheimnisse zu wahren?

„Gelobt ihr, dem Menschengeschlecht zu dienen?“ „Gelobt ihr, die göttliche Kraft, die in Euch ist, zum Guten zu benutzen.“ „Gelobt ihr, dem Imperium treu zu dienen?“ „Ich gelobe“ antworteten die Zwölf im Chor. „Ich heiße Dich, Schwester Safra, Dich, Schwester Marita, Dich, Schwester Noomma, Dich, Schwester Xenonia, Dich, Schwester Sigura, Dich, Schwester Rhina, dich, Schwester Nefertari, dich, Schwester Miraita, dich, Schwester Kefana, Dich, Schwester Yanida, Dich, Schwester Hatshepsut, Dich, Schwester Thorah … willkommen im Schoß des Ordens. Die Matria Suprema breitete ihre Arme aus, schloss die Augen, dann sagte sie: „Allmächtiger Gott, der Du hast mit deiner Kraft geordnet das Chaos, segne diese Schwestern, gib ihnen die Kraft, die Erkenntnis und die Weisheit, stehe ihnen immer und auf ewig bei.“ Marita schauderte, sie meinte zu spüren, wie ein Strom aus Energie von der Matria Suprema auf sie übersprang und durch ihren Körper floss. Sie schloss die Augen und genoss das Gefühl. Sie war jetzt ein vollwertiges Mitglied des Ordens. Sie hoffte, den Ansprüchen gerecht zu werden und war bereit den Weg zu beschreiten. Die Chöre sangen noch ein paar Lobes- und Dankeshymnen an den Allmächtigen. Als die Inthronisationszeremonie zu Ende ging, wurden die frisch gewordenen Schwestern durch das Große Portal auf den Vorplatz des Tempels geführt. Dort warteten Familien, Verwandte und Freunde auf sie alle. Marita sah ihre Großmutter und ein paar Freunde, die auf sie warteten. Sie ging mit ruhigem Schritt auf sie zu, wollte eigentlich Contenance behalten; „ich bin jetzt eine Ordensschwester, muss jetzt seriös wirken“ dachte sie, „aber was war da los?“ Ihre Beine schienen sich selbständig zu machen, sie rannte jetzt förmlich auf Omi zu.

Fast hätte sie Omi zu Boden geworfen. Sie drückte Omi gegen ihren Körper, genoss die Kraft und die Wärme die sie ausstrahlte, und spürte wie Tränen aus ihren Augen flossen. „Alles wird gut“ flüsterte Omi ihr ins Ohr, dann sagte sie: „und jetzt begrüße deine Freunde. Es sind ja, schlussendlich, alle für Dich gekommen.“

Advertisements