The Lord of the Wings – Kapitel 1

 

Kapitel 1: Unforeseen Consequences

(Half-Life, Chapter 3)

Es ist ein ziemlich unbedeutendes, dreckiges System am Rande des Nullsec,

bewohnt von ein paar Siedlern, die entweder keine Wahl, oder zu wenige Kredits hatten, um in einer angenehmeren Umgebung unterzutauchen, in dem wir unsere Protagonisten antreffen.

Genauer gesagt befinden wir uns in der einzigen Raumstation, die einen – gerade noch als bewohnbar zu bezeichnenden – wasserarmen, staubigen Mond eines Gasriesen umkreist. Die Struktur ist eindeutig Amarr, allerdings hat sich hier wohl seit Jahren keiner der imperialistischen Theokraten blicken lassen, die wohl kaum die schlampig geflickten Löcher in der Aussenhülle und die improvisierten Reparaturen im Inneren der Station hingenommen hätten. Der Betreiber, weder Besitzer, noch legitimer Mieter der Station, unterhält eine Bar, in der sich selten andere Gäste als die Rinderzüchter und Hydrofarmer des Mondes verirren, die versuchen, ihre Produktion am intergalaktischen Markt loszuwerden.

Im Moment ist die Ruhe der üblichen Trinker allerdings durch lautes Gegröle unterbrochen, da im System vor kurzer Zeit ein ungewöhnliches Ereignis stattgefunden hat.

Durch einen seltenen, bisher nicht verstandenen, natürlichen Vorgang, hat sich ein Portal im Raum zu einem abgelegenen und unbekannten Bereich des Universums gebildet, der in der Galaxie gemeinhin als W-Space bekannt ist.

Die Gefahren die dort lauern, ziehen selten ehrbare Geschäftsleute und Unternehmer an und sind üblicherweise Ziele für zwielichtige Gestalten, Piraten und solche, die nichts mehr zu verlieren haben oder auf der Flucht vor dem Gesetz sind.

Bereits kurz nach dem Erscheinen dieses Phänomens, dem sogenannten „Wurmloch“ trat daraus eine Gruppe von fünf Schiffen hervor, die sich zielgerichtet auf die Station zu bewegte und dort dockte. Es war sofort klar, dass mit dieser – wenn auch insgesamt scheinbar nicht sehr hellen – Truppe an Piloten mit nervösen Abzugsfingern nicht zu spassen war, aber auch, dass sie nicht hier waren um Unruhe zu stiften, sondern im wesentlichen um die trockenen Kehlen zu befeuchten.

„Hey Alter, mach nochmal voll!“, forderte Kira Hhallas den Bartender auf.

„Leute, noch einen auf den Abschuss des Monats!“

Die Stimmung war gut und der Lärmpegel hoch, in diesem verqualmten Drecksloch.

Das Gelächter und die lautstark erzählten Geschichten aus dem letzten Krieg – wenngleich reine Erfindung, da keiner von ihnen je gedient und die

Rekrutierungsbüros höchstens aus der Kneipe gegenüber gesehen hatte – versetzten die üblichen Säufer in Angst und Schrecken. Es war eindeutig ein erfolgreicher Tag für die Piloten der Very Drunken Eve Flying Instructors Corporation gewesen.

Dieses Unternehmen ist tatsächlich kaum als solches zu bezeichnen und der letzte Rechnungsprüfer des intergalaktischen Finanzministeriums war nach Durchsicht der Buchhaltung mit einem Aneurisma als hoffnungsloser Fall in einem Sanatorium gelandet.

Dem aussenstehenden Bürger mag der Firmenname im Hinblick auf gewisse

Vorfälle  mit Flottenausbildnern intergalaktischer Konglomerate vielleicht

ironisch gewählt erscheinen, in Wahrheit ist er vielmehr durch die banale

Tatsache erklärt, dass der Name nach erfolglosem Brainstorming der Gründer und zu grossen Biervorräten – die danach allerdings nicht mehr existierten – entstand wobei einige der Beteiligten eine Weile zuvor erfolgreich eine von ihnen gegründete Flugschule in den Sand gesetzt hatten.

Die Grund der guten Laune lässt sich dadurch erklären, dass unsere fünf Piloten einen knappen halben Zyklus davor im Sonnensystem J162831 – einem W-Space System – unterwegs waren, wo sie sich heftige Kämpfe mit den nur als „Sleeper“ bekannten feindlich gesinnten, cybernetischen Alien-Schiffen geliefert hatten, in der Hoffnung, Bauteile in den Wracks der von ihnen zerstörten Schiffe zu finden, die am intergalaktischen Markt als hochpreisige Komponenten zum Bau fortschrittlicher Schiffstypen gehandelt werden.

Obwohl sie diesmal durchaus gute Beute anstatt des üblichen Metallschrotts gemacht hatten, war der Grund für die ausgelassene Stimmung ein anderer.  Während sie noch mit dem Durchsuchen der Sleeper-Wracks zugange waren, öffnete sich ein weiteres Wurmloch im System.

Trotz der allgemein vorherrschenden Inkompetenz hatten die Piloten der VDEFI nach etlichen Besuchen in der Clone-Bay immerhin gelernt, den Richtungsscanner zu beachten, weswegen das Erscheinen der kleinen Scan-Fregatte nicht unbemerkt blieb.

„Leute, wir haben gerade Besuch bekommen, wahrscheinlich haben wir einen neue Signatur!“ funkte Schwette an die Gruppe. „Ich warpe uns zum Save, bis ich weiss, was los ist.“ Es war verdächtig ruhig im Kanal, obwohl Funkdisziplin für die meisten Beteiligten eigentlich ein unbekannter Begriff war.

Man hätte annehmen können, dass hier jeder konzentriert bei der Sache gewesen wäre, allerdings waren alle bis auf Schwette  anderweitig beschäftigt und registrierten höchstens noch die Signaltöne der Salvage-Dronen.

Budaner Ichosira, der jüngere Bruder einer flüchtigen Bekannten, den Kira

Hhallas vor kurzem angeheuert und an diesem Tag zum ersten Mal in den W-Space

mitgenommen hatte, kam sowieso nicht aus dem Staunen heraus und sein Wortschatz schien im Wesentlichen auf ein paar gegrunzte Lautäusserungen begrenzt zu sein. Bei Kira hatte sich ohnehin schon längst die Routine dieser Art von Ausflügen eingestellt. Abgesehen von den Nacktfotos ihrer Gespielin vom letzten Wochenende am Bildschirm und der lauten Musik im Hintergrund, war sie wie üblich im Wesentlichen damit beschäftigt, intelligente Kommentare auf CloneBook zu posten. Leshrac spielte wie immer mit den Bedienelementen des Richtungsscanners, und versuchte vergeblich, die L-förmige Struktur an der richtigen Stelle einzufügen.

Von Anus Prodit war ohnehin keine Reaktion zu erwarten, da er ausser „Ja“,

„Nein“ oder „Verstanden“ selten etwas von sich gab. Seine Kollegen hegten

allerdings den Verdacht, dass er im Fall einer rektalen Untersuchung durchaus etwas gesprächiger werden würde.

Schwette hatte die neue Signatur – tatsächlich ein Wurmloch – inzwischen

erscannt und war bereits im Warp dort hin. Als er gerade aus dem Warptunnel kam, sah er eine Orca, ein massives Mining Command Ship für Bergbau-Unternehmungen, durch das Wurmloch hervortreten. Durch die aktive Tarnung der Falcon war Schwette für den Piloten der Orca nicht sichtbar. Ohne die neurale Entkopplung hätte die Reaktion von Schwette ihn wohl aus seiner mit ektoplasmischer Flüssigkeit gefüllten Kapsel gesprengt.

„Zu mir, zu mir! Wir haben hier eine Orca!“

Sofort waren die anderen aus ihrer Trance gerissen und schafften es sogar, ihre Tengus auszurichten und den Warpantrieb zu aktivieren. Den Blutdruck jenseits aller Normwerte, kam die Gruppe am Wurmloch an und sah Schwette gerade noch hindurchspringen.

„Durchs WH, ich hab die Orca getackled!“

Die vier Schiffe sprangen sofort hinterher. Der Bordcomputer zeigte an, dass es sich um ein weiteres System im W-Space handelte. Wirklich wichtig war das allerdings nicht, die wesentliche Information war nur, dass man hier im Prinzip auf alles und jeden schiessen konnte, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

Noch wichtiger war aber, dass die Orca mit totem Antrieb festhing, da Schwette bereits die Störfeldemitter seines Schiffs aktiviert hatte. Sofort begannen die Tengus, Salve um Salve von Heavy Missiles auf die Orca zu entladen.

„Feindliche Widow auf 30 Klicks.“, bemerkte Kira. „Sollen wir da auch mal

draufhalten?“ „Negativ, Feuer auf die Orca konzentrieren. Sollte die Widow

angreifen, mach ich sie mit der Falcon blind.“ „Widow dreht ab“, funkte Leshrac an die Gruppe, die Hoffnung auf ein weiteres Opfer enttäuscht.  Inzwischen schlugen Flammen, genährt durch die ausströmende Luft aus den Löchern in der Aussenhülle der Orca, in den Weltraum.

Augenblicke später begann die Orca auseinanderzubrechen und der durch das Versagen der Eindämmung destabilisierte Warpkern kollabierte und explodierte in eine Schockfront aus Elementarteilchen.

„Hat jemand von euch das Pod gesehen?“, fragte Kira, wurde aber völlig von

Budaner übertönt, der vor Begeisterung über seinen ersten Abschuss einer Orca nur noch wirres Zeug in den Funk schrie. Nachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, wurde schnell klar, dass der Pilot der Orca offenbar im Moment der Explosion, von den überladenen Schiffssensoren unbemerkt, entkommen war.

Die verwertbaren Reste der Orca eingesammelt, beschloss die Truppe, ein zuvor entstandenes Wurmloch, das in ein Low-Sec System des bekannten Teils der Galaxie führte, auf der Suche nach Drinks zu durchfliegen, um den Abschuss zu feiern.

Nachdem sie an die einzige Station im System angedockt hatten, wurden die

üblichen Aufgaben erledigt. Das erbeutete Material wurde auf den

intergalaktischen Markt geworfen, wobei klar war, dass durch die Lage des

Systems nicht gerade Bestpreise zu erwarten waren. Allerdings war es auch

aufwendig, selbst die zentralen Hubs aufzusuchen und am Ende war Zeit

schliesslich Geld.

Eine heisse Dusche später war Kira Hhallas auf dem Weg zu den Hangardecks, um die Reparatur der Phasenenergiekupplung ihrer linken Triebwerksgondel in Auftrag zu geben, die nach einem unglücklichen Volltreffer einer Sleeper-Drone ständig an die Schiffshülle knallte.

Der bucklige Minmatar-Mechaniker der den Auftrag übernommen hatte, machte nicht unbedingt einen vertrauenserweckenden Eindruck, andererseits standen sonst nur antike Reparaturdronen zur Auswahl, die vermutlich jemand vor geschätzten 50 Jahren auf einem Schrottplatz losgeworden war.

Ausserdem waren eine Schweissnaht und drei Rollen Klebeband vermutlich

immer noch besser als eine Warpgondel, die einen mitten im Flug überholt.

Am Rückweg ins Quartier bemerkte Kira das MediCenter auf der endlosen

Knopfleiste des Turbolifts. Nachdem die neurale Kapazität der gezüchteten Klone meist aus Kostengründen – gerade bei Kiras Verschleiß – auf das Notwendigste beschränkt war und neu gebildete Erinnerungen bei einer Übertragung der neuralen Muster – was normalerweise aufgrund einer spontanen Fehlfunktion der Kapsel der Fall war (zumindest war das Kiras übliche Erklärung) – unter Umständen keinen Platz finden konnten. Im besten Fall führte das lediglich dazu, dass man den Vornamen seiner Großmutter vergaß, möglicherweise konnte man sich aber auch nicht mehr daran erinnern, wie man das Essen in den Mund bekommt.

Nachdem Kira schon mehrmals am Basiskurs für die Nutzung von Messer und Gabel teilgenommen hatte, war sie durchaus daran interessiert, den Zustand ihrer Klone gelegentlich zu kontrollieren. Es gab in jedem Fall besser ausgestattete Clone Bays als diese hier, ausserdem lag der Geruch von leicht ranzigem ektoplasmischem Fluid in der Luft. Nach der Durchsicht der entfernt angelegten Klone am Kontrollinterface beschloss Kira, hier ebenfalls einen Klon-Tank anzumieten.

Immerhin waren die Plätze billig und für den Fall, dass man mit

einer von der engen Tankröhre geplätteten Nase aufwachen würde, könnte man immer noch in der Kapsel abdocken und die Eischale von innen aufknacken, um in einem besser gebauten Körper zu landen.

Kira machte sich auf dem Weg zur Bar, wo die anderen bereits anwesend waren.

Ein paar Stunden vergingen und nach der fünften Lokalrunde hatte sich die

Anwesenheit der spendablen Gäste auf der ganzen Station herumgesprochen und das davor leere Lokal platzte aus allen Nähten. Im Gedränge bemerkte daher niemand den Mann, der sich mit angesäuertem Gesicht durch die Menge schob.

Ein Schuss knallte und die ausgelassene Stimmung verebbte schlagartig. In Panik quetschte sich die Meute durch den Ausgang und wenige Augenblicke später war die Bar leer.

Nur Kira, Leshrac, Schwette, Budaner und Anus standen noch da und blickten

verwirrt auf die Figur mit der Waffe in der Hand. Der Barkeeper, der sich sofort nach dem ersten gefallenen Schuss hinter seiner Theke versteckt hatte, kroch zitternd Richtung Tür und war verschwunden.

Kira, völlig besoffen, lallte zu Leshrac: „Kennst du den? Ich glaub ich hab die Fresse schon mal gesehen.“

Leshrac, der mit glasigen Augen und einem steifen Grinsen im Gesicht neben Kira stand, meinte:

„Stimmt, irgendwie kommt er mir auch bekannt vor….hmm….warte mal…“

„Ist das nicht der Kerl gegen den du letztens zwanzig Millionen auf Schuldschein verzockt hast?“, meinte Schwette.

„Kann nicht sein, der wurde am nächsten Tag von ein paar Typen aus der

Luftschleuse geworfen, als er sie mit gezinkten Karten abziehen wollte.“ „Hey, ich weiss wer das ist“, warf Budaner ein und nahm einen ordentliche Schluck aus der Bierflasche.

„Den haben wir doch vorhin aus der Orca geschält!“

Der Mann schrie ein paar Worte in einer für die Fünf unverständlichen Sprache und legte seine antiquiert anmutende Maschinenpistole an.

„Mach dir nicht ins Hemd Alter und knall dir mit uns einen rein, du warst doch wohl versichert. Das passiert einfach, wenn man so ein Schiff am falschen Ort rumfliegt“, lallte Kira und hielt dem Schützen eine Flasche Whiskey entgegen.

Ein Schuss zerriss die Luft.

Eine Woche zuvor, in einer Station im Minmatar-Raum wankten Kira und ihre

Kumpanen gerade durch die schlecht beleuchteten Gänge in einer versteckten Ecke

der Station.

„Verdammt!“

„Was ist, Kira?“, fragte Leshrac.

„Ich hab vergessen, neue Imps zu kaufen. Wir müssen noch bei Dax vorbeischauen,

bevor wir wegfliegen.“

„Und wie willst du die bezahlen? Wenn ich mich nicht irre, hat dich der Typ

gerade um nen Haufen Kredits erleichtert und einen Schuldschein hast du auch noch unterschrieben?“

„Ahem…“, räusperte sich Kira mit einem verschmitzen Grinsen im Gesicht.

„Versuch’s gleich gar nicht.“, fauchte Leshrac.

„Komm schon, du wirst doch deinem Boss mal aushelfen, oder?“

Leshrac verdrehte die Augen.

„Genaugenommen bist du nicht mein Boss, wir sind Teilhaber.“

„Stell dir vor, dein Teilhaber geht pleite, wär nicht gut für die Firma, oder?“, säuselte Kira.

„Du BIST pleite, verdammt! Argh … also gut, aber wenn du das nächste mal so dämlich bist und zusiehst, wie jemand eine Bubble aufbaut, anstatt wegzuwarpen, dann verkauf ich meine Anteile und bin raus aus dem Geschäft!“

„Kommt sicher nie wieder vor.“

„Das hast du die letzten vier Male auch gesagt.“

„Du aber auch.“

„Erinner mich nicht daran, ich bin gerade versucht, auf der Stelle abzuhauen.“,

grollte Leshrac.

Kurze Zeit später war Kira dabei, ihre neuen Implantate auszusuchen.

Genaugenommen konnte man diese eigentlich weder als „neu und nicht einmal

„neuwertig“ bezeichnen, denn direkt vom Band gelaufen war die Ware in „Dax‘

Implantations-Emporium“ ziemlich sicher nicht, aber wer günstig kaufen wollte, war hier bestens aufgehoben.  Besonders einladend war der Laden nicht, roh zugehauene Regale und Kisten voller nicht erkennbarer Gegenstände füllten den Verkaufsraum, mitten darin eine zwielichtige Gestalt.

Durch den Vorhang zum Hinterzimmer konnte man einen „Behandlungsstuhl“ sehen, der eindeutig seit einer Weile kein Desinfektionsmittel mehr gesehen hatte und die braune Brühe am Boden darunter war wohl auch keine Hoisin Sauce.

„Das wären dann alle. Steck sie mir mal in die Birne.“, meinte Kira zu Dax.

„Warte mal, ich hab da vielleicht noch was für euch.“

„Huh?“, fragte Kira verwundert.

„Ihr seht doch aus wärt ihr eine smarte Truppe, seit ihr vielleicht an etwas ganz exklusivem interessiert? Ist grad reingekommen, taufrisch.

Das solltet ihr euch nicht entgehen lassen, ist eine absolute Neuheit. Ihr habt doch sicher von den neuen Implantaten für die planetaren Söldner gehört, oder?“

„Natürlich, aber was soll uns daran interessieren?“, meinte Schwette.

„Abgesehen davon gibts die nicht am freien Markt, soweit ich weiss.“

„Überlegt mal, ihr könnt euer Bewusstsein zwar durch die Systeme eurer Pods in einen Klon übertragen, wenn ihr im Weltraum seit, aber was passiert, wenn es mal in einer Station oder auf einem Planeten brenzlig wird? Wenn’s hart auf hart kommt und euch jemand erschiesst, dann seit ihr richtig tot.“

„Das wär natürlich unangenehm.“

„Und ich biete euch die Lösung dafür. Diese…uhm…aufgefundenen Implantate von Söldnern sind so modifiziert, dass sie sich an die Systeme eurer Pods koppeln

und dadurch deren Funktion übernehmen können, wenn ihr euch ausserhalb der

Kapsel befindet.“

„Wär nicht übel“, meinte Kira und runzelte die Stirn. „Gibt’s dabei

Nebenwirkungen?“

„Keine bekannten.“

Man konnte die Taktung ihrer grauen Zellen an ihrem Gesicht ablesen.

„Ok, rein damit. Leeeshhh…kannst du mal für alle vier vorfinanzieren?“

Leshrac verzog das Gesicht.

„Ich zahl dir sogar zwei, wenn ich an dir testen kann, ob’s funktioniert…“

Kira kroch auf allen Vieren und kotze sich die schwarze Seele aus dem Leib.

Minuten zuvor befand sie sich in Dunkelheit, irritiert, die Sinne verwirrt, die Lunge leer und ohne Sauerstoff.

Ein Gefühl wie ein massiver elektrischer Schlag durchzuckte ihren Körper, kurz bevor die Nährlösung abgepumpt wurde und die Ausstiegsöffnung der Klonkammer sich öffnete.

Es war jedes Mal wieder ein Gefühl

wie bei einer Geburt, für das sich das Bewusstsein weder vorbereiten, noch daran gewöhnen konnte. Das durch den Alarmton herbeigeeilte Personal zerrte Kira, die wild um sich schlug, aus dem Tank und hob sie auf eine herbeigebrachte Liege.

Kira hustete die letzten Reste der Nährlösung aus der Lunge und versuchte

aufzustehen.

Ein Pfleger versuchte sie zu beruhigen, aber sie stieß ihn weg.

Ihre eben erst neu programmierten synaptischen Verbindungen waren noch nicht völlig gefestigt und ihr bewusstes Selbst war noch nicht vollständig vorhanden, aber sie hatte das Gefühl, dass sie hier nicht freiwillig aufgewacht war. Ihr wurde langsam klar, dass sie nicht weit von dem im Moment noch gesichtslosen Phantom entfernt war, dem sie ihren Zustand zu verdanken hatte.

Sie stand zittrig auf ihre Beine, riss sich vom medizinischen Personal los, das sie vergeblich davon zu überzeugen versuchte, sich wieder auf die Liege zu legen und torkelte in Richtung Ausgang.

Die ersten Meter waren noch eine Qual für ihren neuen Körper, aber schnell wurde ihr Geist klarer, ihre Muskeln stärker und ihr Wut grösser. Sie erinnerte sich wieder an das, was nur wenige Minuten zuvor in der Bar geschehen war und ihr Zorn trieb sie immer schneller und immer weiter.

Im Turbolift ein paar Decks tiefer angekommen, sah sie Sicherheitspersonal der Station, verschanzt vor dem Eingang der Bar. Zielstrebig ging sie auf einen der Männer zu, der sie völlig verwirrt anblickte. Sie war nackt. Splitterfasernackt.

Völlig aus dem Konzept gebracht, war es ihr ein leichtes, ihm die Dienstwaffe aus der Hand zu nehmen. Die Pistole in der Hand betrat sie die Bar, wo sich der Attentäter gerade einen Drink eingoss, um seinen Erfolg zu feiern. Er blickte auf, griff, Entsetzen ins Gesicht geschrieben, zu seiner Waffe und fiel mit einem Loch im Kopf zu Boden.

Kira betrachtete die Szene und die leeren Hüllen ihrer Freunde, die ihrem

eigenen Blut lagen. „Kacke, jetzt kann ich durch ganz New Eden gondeln um die Idioten aufzusammeln.“

Ihr Blick fiel auf die Leiche von Budaner: „Hmm, seine Papiere sind auf dem

Schwarzmarkt sicher ein paar Millionen wert.“

Sie beäugte ihren alten Klon: „Verdammt, hab ich nen fetten Arsch.“

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