EVE Online – Vibrieren – Er(d)beben

Vibrieren

Ein sanfter weiblicher Druck, auf einem dunkelgrünen Druckknopf, löste den schwerläufigen Öffnungsmechanismus der riesigen Stahltür aus. Knarrend, mit einem kurzen Ruck, fuhren die beiden Stahlstücke auseinander und ein nebliger Strahl aus warmen Dampf schoss von den beiden oberen Ecken in die Mitte.

Sie duckte sich mit ein paar kurzen leisen Schritten unter dem Dampfstrahl hindurch und betrat den Steg zum Schiffshangar. Ein etwa 20 Meter langer Weg aus dunklen Stahlgittern und ein x-förmiges Geflecht aus Stahlrohren, welches ein mehr oder minder schützendes Geländer darstellen sollte, führte zum Schiffsdeck.

Ein rhythmisches Dröhnen durchfuhr den Raum und drängte sich direkt beim betreten unangenehm auf. Mit einem kurzem seufzen und verdrehten Augen schritt sie weiter voran. „Das fängt ja gut an …“, dachte sie.

Eine Schlangenkopf-artige Front blitzte ihr aus der Ferne entgegen, während sie sich weiter näherte. Immer stärkere Wellen des tiefen und dumpfen Tons durchfuhren ihren Körper. Ihr Blick richtete sich weiter auf den Reptilienkopf des Schiffes, der aus der Nähe betrachtet, Ihr zustimmend zu zunicken schien. Zu dem tiefen Dröhnen gesellten sich langsam auch höhere Noten, die eine Melodie erahnen liesen, welche ihr nicht mehr so unbekannt schien.

Verwundert konnte sie den Blick nicht von dem Schiff lassen, das sowohl sichtbar als auch spürbar, taktvoll auf und ab vibrierte. Ein inneres Kichern durchfuhr sie bei dem Gedanken, ob dieses Stromlinien-förmige Gefährt, welches in Farbtönen aus Rost-rot-braunem Metall erstrahlte, diesen Belastungen, die nun offensichtlich aus dem inneren heraus drängten, überhaupt gewachsen war.

Die Architektur des Schiffes war zweifelsohne auf rasante Kampfhandlungen, mit hoher Agilität, ausgelegt. Der Schlangenkopf zog sich zu einem schmaleren Mittelteil zusammen, mit zwei nebeneinander liegenden, dreieckig geformten Segeln, die wie auf dem Kopf liegende Haifischflossen wirkten. Diese schimmerten heller und reflektierten das spärliche Licht auch weitaus besser. Das Heck gewann wieder an Volumen und stellte wohl hauptsächlich den beträchtlichen Antrieb da.

Als auch sie selbst, vibrierend, das Schiff erreichte, schweiften ihre Augen ab und sahen auf dem ersten Blick allerhand Gerümpel auf dem Vorplatz verstreut. Ein paar massive Militär Stahlkisten standen herum, wovon eine geöffnet war und einen freien Blick auf ein paar Gyrostablizier und Tracking Enhancer gaben. Auf dem zweiten Blick waren dann doch einige Werkzeuge, in diesem chaotischen Wirrwarr, zu identifizieren, die ihre besten Tage wohl schon etwas länger hinter sich hatten. Ihr Kopf drehte sich langsam zur Seite, wobei die Bewegung durch ein unterbewusstes Kopfnicken begleitet wurde. Sie ertappte sich dabei selbst und versuchte durch ein spontanes Ganzkörper schütteln, sich davon zu befreien. Die tiefen Dub Bässe dröhnten unterdessen erbarmungslos weiter. Sie hätte schwören können, dass dieses vibrieren Sie von einer Ecke des Raumes, zur anderen hätte tragen können. Sie kniff die Augen zusammen, dass nur noch ein schmaler Spalt für ihr Sichtfeld blieb und spähte durch die offene Lucke des Schiffs, als plötzlich eine breit grinsende Fratze ihr entgegen Strahlte und sie offensichtlich für den Moment erschreckte. Ein schier endlos, zum grinsen, geweiteter Mund, brachte das wohl klarste Weiß der gesamten Region zum Vorschein. Lilly kniff unterdessen die Augen zu einem düsteren Blick zusammen, machte auf dem Absatz kehrt und wandte, mit verschränkten Armen, dem Grinsekopf den Rücken zu, um der Ansteckungsgefahr zu entgehen. „Wer sich davon nicht hätte anstecken lassen musste entweder tot oder ein Amarr sein“, dachte sie, während ein Kichern ihren Körper durchfuhr. „Ehhh, lauf doch nicht gleich wieder weg“ tönte eine Stimme. Sie drehte sich abrupt wieder um und versuchte mit gerunzelter Stirn einen finsteren Blick aufzusetzen, der genau für zwei Sekunden hielt. „Mensch Kentah, dreh diesen Lärm leiser“ kicherte sie ihm lautstark entgegen. Sein grinsen weitete sich anschließend, unmenschlich, noch ein Stück weiter, bevor er mit einem „Okeee“ antwortete und seine Rasta Mähne im Schiff verschwand. Lilly konnte derweil nur weiter vor sich hin gluckern und dabei den Kopf schütteln. Die letzte Basswelle durchfuhr sie noch einmal, lies ihren Körper ein letztes Mal kurz aufzucken, als plötzlich eine merkwürdige Ruhe einkehrte. Ihr blick schweifte durch den Raum, als würde sie nach etwas suchen. Kentah trat durch die Lucke aus dem Schiff und öffnete freundschaftlich seine Arme, weit wie einen Fächer. Die muskulösen Arme umringten Lilly, schlossen sie ein und drückten ihren zierlichen Körper gegen den seinen. In seinem sanften Würgegriff gefangen boxte sie mit der rechten Hand, zu einer Faust geballt, gegen seine Rippen, was bei ihm allerdings nicht mehr als ein stärkeres kitzeln ausgelöst haben dürfte. Mit ihrem Blick zu ihm hoch gerichtet und einem Lächeln im Gesicht, glitt sie langsam einen Schritt rückwärts aus seinen Fängen. „Was ist das hier schon wieder für ein Chaos …“, gestikulierte sie wild mit ihren Armen, „… Du sagtest du willst mit deinem neuen Schiff eine Runde drehen“, ihr Blick verfestigte sich etwas, während sie auf den Haufen mit Gerümpel zeigte, „ und jetzt seh ich hier einen Schiffsbausatz rumliegen“. Ihr Arm erhob sich und belehrend richtete sie ihren Zeigefinger auf, „Wenn du dachtest das dein dröhnender Lärm den ganzen Kram hier von der Fläche fegt, so hast du dich wohl ein kleines bisschen geirrt“. Ihr Satz endete genau in dem Moment als ihr Finger den höchsten Punkt ihrer Predigt erreichte. Er erwiderte nur mit einem kurzen Schulterzucken, lies seinen Blick zu den wertvollen Gerätschaften schweifen und zuckte abermals mit den Schultern. „Ahh, Hmm, … ist doch alles nicht so schlimm, jetzt wo du schonmal da bist geht alles gaaanz schnäällll“ säuselte er. Seine Mundwinkel begannen sich in Stellung zu bringen, zogen sich nach oben und durch einen schmalen Spalt seiner Lippen drang das erste blitzen durch. Ihre Shield Hardener waren unterdessen schon darauf vorbereitet und aktiviert, sodass der Strahlenangriff, noch bevor er sein ganzes blitzend weißes Ausmaß annehmen konnte, daran abprallte. Sie spannte daraufhin ihren schmalen Körper an, kniff die Augen weites gehend zusammen und lenkte ihren Blick gezielt auf ihn, als wollte sie ihn damit durchbohren. „Ich sag dir was du machen sollst und wo was hingehört und du siehst zu das du in die Gänge kommst!“, drang mit strengen Noten von ihren Lippen, während sie ihn durchdringend, von unten nach oben, musterte. „Also so wie IMMA!“ brummte Kentah, nahm urplötzlich Haltung an, salutierte und spannte seinen Körper, wie ein Militär Musterschüler, zu einer stahlharten Säule an.

Sie versuchte es ihm gleich zu tun und hob ihre rechte Hand schwungvoll nach oben, atmete tief ein und streckte den Oberkörper vor. Kentahs Augen weiteten und verdrehten sich leicht, als diese offensichtlich zur ihrer heraus gestreckten Brust abglitten. Sie trug einen schwarzen Overall, der am Oberkörper zur Hälfte aufgeknöpft war, ihr Dekolleté aber erst unter der Anspannung ihres Körpers zur Geltung kommen lies. Lillys Schild verpuffte. Sie lachte laut auf und Schnipste mit der rechten Hand ein paar Mal vor ihrem Oberkörper herum. „Ohh man, hör auf mit dem Quatsch und steh hier nicht so doof rum, beweg endlich deinen Hintern !“ brach es mehr gezwungen, unter ihrem andauernden Lachen, hervor. Sie ging einen Schritt auf ihn zu, ihr Körper leicht nach vorne gebeugt, hielt sie ihren Bauch mit der linken Hand, während die Rechte, in Zeitlupe, nach vorne schnellte, um ihm einen Hieb in die Seite zu verpassen. Lillys Schlag traf ihn mit der Wucht eines Wattebausches, als er schon die Hände nach oben riss, um sich zu ergeben. „Oke, Oke, ich geh ja schon“ schmunzelte Kentah ihr entgegen. Sein Körper krümmte sich dabei spielerisch leicht zur Seite.

Er(d)beben

Die massiven Hangar Türen öffneten sich mit einem kaum hörbarem Klicken und glitten zur Seite. Das grazile Raumschiff beschleunigte langsam und flog bedächtlich durch das Schott.

Flinke und geübte Finger gaben, auf einer etwas altertümlich wirkenden Tastatur, den Kurs für den Warpantrieb ein. So grob seine Finger auch wirkten, jede Bewegung war bis auf den Millimeter präzise.

Das Schiff glitt zur Seite, änderte die Richtung in den vorgegebenen Startwinkel und beschleunigte langsam. „ Drei, zwei, eins, …“ murmelte eine kaum wahrnehmbare tiefe Stimme.

Eine ohrenbetäubende Schockwelle durchfuhr, von hinten, das innere des Schiffes. Ein tiefes Dröhnen legte sich auf die Ohren der Insassen, die von dem Druck fast schon in die Sitze gepresst wurden.

Ihr Blick richtete sich auf eine digitale Anzeige, die sie von der Seite aus erspähen konnte. Rot leuchtende Ziffern blinkten grell in unregelmäßigen Abständen auf dem Steuerpult auf. Ihre Hände krallten sich unterdessen, in dunkler Vorahnung, an ihrer Sitzlehne fest. Die LCD Anzeige spuckte wirre Zahlenkombinationen aus. Ihr Blick erstarrte auf der Anzeige für einen Moment und schweifte nach einer gefühlten ewig, hilfesuchend, durch den Schiffskörper.

Kentah drehte sich, mit einem breiten Lächeln im Gesicht, schräg nach hinten zu Ihr. Ihre Blicke trafen sich. Wild gestikulierend deutete sie auf die leuchtende Anzeige, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Sein Körper schien in einer Art Rhythmus zu dem dumpfen Dröhnen zu zucken und sein Kopf vollführte eine wippende, nickende Bewegung. Ihre Lippen öffneten sich, doch schon der Versuch eines Schreis wurde von einer krachenden Schallwelle zerschmettert. Das ganze Schiff schien zu vibrieren, als würde es von einem Erdbeben durchfahren werden. Verzweiflung machte sich in ihr breit, als er endlich reagierte. Sein Blick rotierte plötzlich zwischen ihr und der pulsierenden Anzeige. Mehrere Male wurde sie von seinem geweitetem Blick getroffen. Seine Finger glitten über die Konsole, während sein Blick noch auf sie gerichtet war. Pianistisch einstudiert tippten seine Finger flink einige Befehle ein.

Stille setzte wie von Geisterhand ein. Totale stille.

Ihr Blick streifte ungläubig und inspizierend durch den Raum um nach einer Erklärung zu suchen. Ihre Augen stoppten auf einmal, weiteten und zogen sich zusammen. Blickten durch ein dreieckig geformtes kleines Fenster hinaus, welches nur einen spärlichen Lichtstrahl, einer verdeckten Sonne, hinein lies.

Ihr Kopf drehte sich in einer hektischen Bewegung zu Kentah und erblickte dort ein weit geöffnetes Fenster aus purem weis. Sie atmete tief ein, kniff die Augen zusammen und funkelte ihn finsterböse an. Ihr Mund öffnete sich gerade in dem Moment, als Kentah sie auch schon rücksichtslos im Ansatz unterbrach. „Oh, hey, ja, du brauchst nix sagen, … war mein Fehler, … und guck nicht so böse, der Sound war doch aber echt fett !!!“, grinste es prachtvoll aus ihm heraus. Sein rechter Zeigefinger schwebte sichtbar für den Bruchteil einer Sekunde über einem pulsierend grünen Touch-Display Feld. Mit finsterer Mimik folgte ihr Blick, wie in einer Zeitlupenblase gefangen, jedem Millimeter seiner Bewegung. Ein kurzer und sanfter Druck löste das Starten der Warp-Triebwerke aus und noch bevor Lilly richtig ausatmen konnte, setzte das Schiff zum Warp-Sprung an.

Nur ein Gedanke hämmerte sich mit Lichtgeschwindigkeit in ihren Kopf… … „ Diese Scheiss Dub Bässe !“

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