EVE Online – Clone-Piloten sterben nicht

Estaunitte, Essence

Gleichmäßig aber unaufhaltsam verringerte sich der Schutzschild der Dragoon. Die Treibwerke brannten langsam aus und der Nachbrenner fing an, sich glühender Weise in seine Bestandteile aufzulösen. Der Bordcomputer meldete in seinem betont ruhigem aber nervigen Stakkato die weiteren Einschläge der amarrischen Nestor.

Natürlich ist für einen Klon-Piloten der Verlust des Schiffes eine unangenehme Sache aber letztlich zu verschmerzen, Angst vor dem Verlust seines Lebens muss er ja nicht haben. Heute und hier sah die Sache aber ein klein wenig anders aus…

18 Stunden vorher..

Brybier, Sinq Laison

>Bitte defragmentieren Sie das Recycle-ModulHeiße Getränke Zubereitungsautomat heizt auf< Gut so, dachte er sich und wartete die 4 1/2 Minuten ab, die der Automat benötigte, das künstlich erzeugte Wasser auf perfekte Kaffeetemperatur zu bringen. Mit seiner Kaffeetasse schlich er dann zur Sitzkombination und schaltet das NEO-Com ein.

Sofort sprang ihm die Nachricht von Vailla Mohra ins Auge und das lag nicht nur daran, das sie als neue Nachricht vor sich hin blinkte. Allein die Tatsache, das er überhaupt eine Nachricht von ihr bekam erschreckte ihn zutiefst.

„Sehr geehrter Kapselpilot Kobajachi,

leider müssen wir Ihnen mitteilen, das wir ihre Anfrage über den Abbau von Toxic Metals auf Croleur II ablehnen müssen. Derzeit sind alle Claims vergeben. Gerne sehen wir Ihre erneute Anfrage entgegen und verbleiben mit Fliege Sicher

Vailla Mohra“

Für einen kurzen Moment hielt er inne und versucht sich an das Gesicht von Vailla zu erinnern. Zu lange her und zu verblasst war jedoch die Erinnerung. Er mahnte sich selber seiner nostalgischen Eskapade, löschte die Mail und holte aus der Schublade unter dem Tisch einen kleinen NEO-ComPod heraus. Diesen steckte er in den Konnektor, der in der Tischplatte eingelassen war und aktivierte den Pod mit dem versteckten Fingerabdruckscanner.

>Löschroutine initialisiert- -Daten werden gelöscht<

meldete sogleich der NEO-Com.

Maru stand auf, entfernte direkt neben der Kaffeemaschine die Wandverkleidung und löste die Verbindungsmuffe der Sauerstoffversorgung seiner Kabine. Zischend trat der Sauerstoff aus und begann seine Kabine zu fluten. Er trank noch einen Schluck aus seiner Tasse, nahm einige Metallgabeln aus dem Besteckfach und stellte diese in Tasse, die er wiederum in den Nahrungsmittelerhitzer platzierte. Er wählte maximale Erhitzung, 30 Minuten Dauer und betätigte auf dem Weg zu seinem Pod den Start-Knopf.

Während der Pod sich in die Malediction integrierte, wurde Maru von seinem NEO-Com über die erfolgreiche Löschung der gesamten Datenbestände informiert. Er gab die Zielkoordinaten in den Autopilot ein und ließ den Bordcomputer die Sprungroute nach Croleur berechnen. Während sein Schiff von der Station abdockte und mit mehreren hundert Metern pro Sekunde ins All beschleunigte, war er der Meinung im Augenwinkel sein explodierendes Quartier wahrzunehmen. Im gleichen Moment ging sein Interceptor in den Warp.

Croleur, Sinq Laison

Leider erwies sich Croleur als das Ende einer Sackgasse sodaß er die letzten Sprünge direkt machen musste und keine Möglichkeit hatte sein Ziel zu verschleiern. Daher scannte er in jedem System, durch das er flog nach Anomalien und versuchte so den Anschein zu erwecken er sei ein einfacher Explorer auf der Suche nach Artefakten…und Reichtum. Als er im Zielsystem ankam flog er auch nicht sofort den Planet II an sondern dockte erst in der nahegelegen Station und wartete im Abflugterminal solange ab, bis er sich sicher war, das alle Flugbewegungen im System nicht über das übliche Maß hinausgingen.

Das gab ihm zugleich die Möglichkeit nochmal das Fitting seines Interceptors zu überprüfen, insbesondere den Combat Probe Launcher den er für die weiteren Schritte zwingend benötigte. Nachdem durch die Lademechanik auch die passendes Probes in den Launcher geladen worden waren, aktivierte er wieder die Treibwerke und ließ den Bordcomputer die Abdocksequenz initialisieren. Sein Interceptor warpte die POCCO am Planeten II bis auf 30km an und verharrte dort regungslos im All während Maru die Combat Sonden mittels des Launchers ins All abschoß. Er setzte die Reichweite der Probes auf 0.5 AU und verteilte sie mittels des Scan-Computers zu einer Mehrpunkt-Triangulation rund um die POCCO und aktivierte den Scanner. Schon nach wenigen Sekunden hatten die Probes den Secure-Container in knapp 13000km ausgemacht und Maru sicherte die Koordinaten im Bordcomputer bevor er die Rückholautomatik der Sonden aktivierte.

Während er sich dem Secure-Container annäherte überprüfte er ständig mit dem Bordscanner ob er nachwievor alleine im Umkreis war um dann letztlich im Abstand von nur 2000m neben dem Container zum Stillstand zu kommen. Maru öffnete das Terminal und stellte eine verschlüsselte Verbindung zum Container her. In schönen grünen leuchtenden Buchstaben erfragte der Container das Passwort welches dem Besitzes Zugriff auf den Inhalt des Containers gewährte.

Er übermittelte den decodierten Zugangcode, der sich aus dem Wort „Toxic Metals“ ergab:

„Gbkvp Zrgnyf“

Mit einem kurzen Pling akzeptierte der Container den Code und Maru hatte Zugriff auf den Inhalt der lediglich aus einer kleinen NEO-Com-Disc bestand. Er transferierte die Disc aus dem Container und ließ sie vom NEO-Com abspielen.

„Hallo Maru“ ertönte auch sogleich die Stimme von Vailla in seinem Kopf, „wie du dir schon aufgrund der Tatsache, das ich dich überhaupt kontaktiere, denken kannst, hat dich der Amarrische Geheimdienst gefunden. Wir wussten ja, das dies früher oder später passieren würde. Von daher waren wir wenigstens darauf vorbereitet. Ich gehe davon aus, das du schon soweit deine Spuren verwischt hast und dadurch etwas Zeit gewonnen hast. Das du die Disc samt Container vernichten musst brauche ich dir ja nicht zu sagen. Leider stehen die Dinge aber wesentlich schlechter als wir sie damals erahnen konnten. Das, was wir nie für möglich gehalten haben ist nun aber doch eingetreten, sie haben es geschafft und einen Clone-Catcher entwickelt und auch gebaut.“

Maru pausierte die Voice-Disc und schluckte trocken. Als er damals aus dem Amarr-Raum floh gab es schon Gerüchte darüber, das der Geheimdienst an einem Clone-Catcher forschte. Eigentlich eine triviale Sache aber mit weitreichenden Konsequenzen. Immer dann wenn ein Kapsel-Pilot in seinem Pod abgeschossen wird, transferiert der Bordcomputer als letzte Handlung das komplette Bewusstsein des Piloten zur vorher festgelegten Clone-Station um dort in eine vorbereiteten Clone-Körper hochgeladen zu werden. Kapsel-Piloten sterben also eigentlich nicht. Die Idee war ein Gerät zu konstruieren welches dem Bordcomputer vortäuscht die definierte CloneStation zu sein und somit diesen dazu veranlasst das Bewusstsein des Piloten an das Gerät zu transferieren und nicht zur Station. Und damit hätte man die Kontrolle über den Piloten oder könnte ihn für immer vernichten. Das Gerät müsste dazu allerdings in direkter Nähe des „sterbenden“ Piloten sein, also im Kampfgebiet. Und offenbar haben sie es geschafft. Der Amarrische Geheimdienst ist jetzt in der Lage dauerhaft Piloten zu töten oder ihr Bewusstsein einzusperren. Maru war sich nicht sicher, welches davon die schlimmere Vorstellung war. Mit Schaudern aktivierte er wieder die Disc.

„Wie wir in Erfahrung bringen konnten haben sie das Modul auch schon in eine Nestor, ein SoSBattleship, verbaut und die ersten erfolgreichen Tests an Kriegsgefangen der Villore Accords durchgeführt. Und da du praktischer Weise gerade aufgespürt worden bist, haben sie dich als ersten Einsatztest auserkoren. Leider kann ich dir weder Hilfe noch Unterschlupf gewähren. Du bist diesmal auf dich alleine gestellt. Wir versuchen zwar das Schiff noch zu zerstören, fürchten aber, das es schon auf dem Weg nach Sinq Laison ist. Viel Glück Maru“

Die Disc war zu Ende und mit starrem Blick schaute Maru immer noch auf den Secure-Container der friedlich vor seinem Schiff im All verankert war. Für einen kleinen Moment verharrte Maru fassungslos in seiner Kapsel und versuchte das eben gehört zu begreifen. Dann transferierte er die Disc sowie 100 Units eines Brandsprengstoffes zurück in den Container, entfernte sich mit seinem Interceptor auf 5 km Entfernung und schaltete den Container auf. Er deaktivierte die Sicherung, die verhindern soll das man unabsichtlich das Eigentum eines anderen Piloten beschädigt und aktivierte die Laser.

Natürlich wurde der Beschuss fremden Eigentums sofort von Concord registriert und binnen Sekunden wimmelte es um Maru nur so von Concord-Schiffen, die auch sogleich den Interceptor unter Beschuss nahmen. Maru ließ seinen Pod aus dem Schiff katapultieren als zeitgleich der Container in einem riesigem Feuerball explodierte, der kurz danach auch seinen leeren Interceptor zerstörte. Es würde einen Moment dauern, bis Concord dahinterkäme was gerade passiert war, dachte Maru während sein Pod nahezu verzögerungsfrei in den Warp ging. Unbehelligt entkam Maru nach Atier und seine Spur verlor sich zumindestens für Concord.

DY-F70, Cloud Ring

In einer kleinen Zitadelle in den tiefen Weiten von Cloud Ring im System DY-F70 betrat ein junger gutaussehender Kampfpilot die Bar, ging zum Tresen und bestellte sich einen Drink, prostete seinem Spiegelbild in der Rückwand der Bar zu und trank das Glas ein einem Zug leer. Auf seinem schon stark mitgenommenen Pilotenanzug waren deutlich die Insignien der GMVA, der Villore Accords sowie der Corp Moira. zu erkennen, da diese im Gegensatz zum Anzug sauber und geputzt waren. Gerade als der Pilot sich einen weiteren Drink bestellen wollte, deutete ihm der Barkeeper an, einen Moment zu warten um zeitgleich an sein NEO-Com zu gehen. Der Barkeeper hörte einem Anrufer zu, blickte sich in der Bar um und blieb schließlich mit seinem suchenden Blick bei dem Kampfpiloten hängen und nickte ins NEO-Com. Schließlich kam der Barkeeper auf den Piloten zu und reichte ihm das Kommunikationsgerät: „Ist wohl für sie“ Etwas erstaunt nahm der Pilot das Gerät entgegen und sagte: „Ja? Hier ist Je…..“ Offenbar fiel ihm der Anrufer ins Wort und unterbrach den Piloten. Dieser hörte gebannt zu und umso länger das Gespräch dauerte umso blasser wurde der Pilot. Letztlich sagte der Pilot: „Ich kann mich an sie erinnern. Wir trafen uns vor einiger Zeit mal zufällig auf der Station H4-RP4. Ich denke, das wir ihnen bei dem Problem helfen können. Ihr Plan könnte funktionieren, aber es ist absolut erforderlich die Zeitfenster einzuhalten. Lassen sie Maskerade erst fallen, wenn sie mein Okay haben. Viel Glück“

Estaunitte, Essence

In der Dragoon wurde es langsam ungemütlich, wobei ungemütlich eigentlich total unzutreffend war. Das aktivierte Overheating der Module forderte immer mehr seinen Tribut und auch der nicht mehr nennenswerte Schutzschild förderte nicht das Sicherheitsgefühl. Das bläuliche plasmaähnliche Wabbern um sein Schiff zeigte Maru deutlich an, das der CloneCatcher nach wie vor aktiv war und sein Ende bedeuten würde, falls sein Schiff zerstört werden würde. Langsam kamen in ihm doch Zweifel, ob es klug gewesen war sein Leben in die Hände dieser Allianz zu legen. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr und selbst wenn die GMVA endlich das Aktivierungssignal senden würde…Ob die Schiffsveränderungen die sein alter Freund Gonas vorgenommen hat funktionieren, würde sich erst dann rausstellen, zum Testen war ihnen keine Zeit geblieben. Während er noch darüber nachdachte, brannte mit einem entsetzlichen elektrischem Knistern und leuchtenden Plasmaentladungen der Nachbrenner durch und die Dragoon wurde merklich langsamer. Gerade als Maru doch den Eject auslösen wollte und damit die Operation zum Scheitern verurteilt hätte, tauchte im Local Vailla Mohra auf. >Heute wird noch nicht gestorben<, sagte Maru zu sich selbst und aktivierte mit wieder auf flackerndem Lebensmut die Prozedur zum Aktivieren der kleinen Überraschung für die Amarr.

Die Dragoon sprengte mit mehreren kleinen Sprengladungen die Waffensysteme aus den Highslots und auch der Afterburner sowie der Targetpainter, der eh nur zur Verschleierung ausgerüstet war, wurden auf gleiche Weise ins All befördert. Aus dem Inneren des Schiffes wurden über Hydraulikschübe neue Module in die Slots manövriert und als diese in ihren Positionen einrasteten, verriegelte der Bordcomputer diese und versorgte sie mit Energie. Sofort nahmen die beiden Cap-Booster ihre Arbeit auf und luden Cap-Charges aus dem Laderaum um die konzentrierte Energie in den Energiespeicher zu pumpen. Diese wurde auch dringend für die beiden Navy-Shield-Booster benötigt, die nun, da sie wieder ausreichend Energie hatten, anfingen den Schild der Dragoon wieder aufzuladen. Die Kombination aus den beiden Cap- und Schildboostern brachte Maru die erforderlich Zeit für den zweiten Schritt der Operation. Der Cyno-Generator war aufgeladen und einsatzbereit, Maru aktivierte die Startsequenz und im selben Moment erstrahle das gleißende Licht des Cyno-Leuchtfeuers. Nur Sekundenbruchteile später fielen die ersten Schiffe aus dem Hyperraum. Die Interceptoren der GMVA schalteten mit aktivierten Warp-Disruptoren die Nestor auf und hindert diese so am Entkommen. Währendessen erschienen auch die schweren Kampfkreuzer aus dem Warpfeld, welches irgendein Titan im Lowsec generiert hatte und nahmen die Nestor sofort unter Beschuss. Gleichzeitig hüllten die ebenfalls gesprungenen Logistikschiffe Marus Dragoon in ein RemoteSchild um ihn vor weiteren Beschuss zu schützen. Die Nestor und die Amarr waren sichtlich überrumpelt und hatten der massiven Feuerkraft der GMVA nichts entgegen zu setzen. Mit einem gewaltigen Feuerball explodierte schließlich die Nestor und das blaue Plasmafeld um die Dragoon verschwand. Der Clone-Catcher war zerstört, Maru atmete erleichtert auf.

Nach und nach verschwanden die Schiffe der GMVA wieder in den Hyperraum bis nur noch eine Blackops der Corp Moira. übrig blieb. Die Sin flog langsam und bedächtig an Maru vorbei um dann ebenfalls im Cynofield zu dematerialisieren.

Maru war allein im All, um ihn herum nur das Wrack der Nestor und die gefrorenen Leichen der Amarr.

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