EVE Online – Die Lüge „Erde“

„Manche – kommen einfach nicht miteinander aus. Nur wenige überlebten die Feuerkriege auf der Erde von 2081. Andere verblieben, ihrem Hass und ihrer Gier treu– auf der Erde. Seh‘ wohin hat unsere zerstörerische Natur uns geführt? In den New Eden? Abgekapselt von ihrer Vergangenheit. Doch im inneren, sich nicht verändert. Nein – manche kommen einfach nicht miteinander aus.“ – Gefunden in den Fracks eines Pendlerschiffes, Autor Unbekannt

Der Planet war tot, und die Flammen seines Untergangs zogen sich als roter Fleck über den graugrünen Himmel auf Asqar.

Ihr Todeskampf hatte lange gedauert. Der Widerstand hatte fast eine Woche lang angehalten und zeitweilig waren die Kämpfe erbittert gewesen. Aber am Ende hatten die Invasoren die Kraft der Verteidiger gebrochen, wie so viele Male zuvor bei ihren Feinden. Der fremde Himmel mit seiner Doppelsonne beindruckte sie nicht. Sie hatten schon unter azurblauen und goldgefleckten und tintenschwarzen Himmeln gekämpft und gewonnen.

Die Jungs von der Infanterie hatten als Erste zugeschlagen, während die Haupttruppen Hunderte Meilen über ihnen ihren Kampf flogen. In einer schnellen Aktion wurde somit das System sowohl von Land so wie aus dem Orbit umkämpft. Viele Stationen, Planetenbasen so wie Sternbasen wurden in dieser Nacht gezielt und mit äußerster militärischer Präzision angegriffen, um die taktischen Vorteile eines Erstschlages für sich zu nutzen und somit die Feinde zu verwirren. Alles mit den gierigen Augen gehaftet auf diese Bastion.

Als sie etwas näher gekommen waren, hatten die Invasoren auch zivile Industrieschiffe abgeschossen. Ein ständiges schrilles Kreischen hatte die Nacht für sich beansprucht. Kurz darauf war der größte Teil der Zitadellen Bevölkerung in verzweifelter Panik mit den letzten Rettungskapseln geflohen. Inzwischen hatte sich die Hauptflotte der Angreifer schon bis auf Schussweite genähert und bei stetigem Flakfeuer, Torpedoteppiche abgefeuert um den größten möglichen Schaden an zu richten.

Sogar danach hatten sich die Verteidigenden noch widersetzt. Die Überlebenden hatten aus den Verteidigungsstellen, die die Zitadelle umsäumten, einen Hagel aus schwerkalibrigen Railgun- Geschossen losgelassen. Es war ihnen sogar gelungen, ein ganzes Geschwader zu zerstäuben, deren Schutzschirme durch den plötzlichen Andrang überlastet wurden. Doch es handelte sich bestenfalls um eine schwächliche Geste. Inzwischen regneten unaufhörlich Bomben auf die Stadt (wie man so eine Zitadelle, die abertausende beherbergen konnte, nur nennen konnte) herab und riesige Wolken aus Schutt und Trümmern wurden über die Ebenen geweht.

Inmitten des Tumults aus Zerstörung, Panik und Trümmern wurden noch mehr gefürchtete Angriffseinheiten der Corporations-Expeditionsstreitkräfte gegen die letzten Verteidigungsstellungen im inneren eingeflogen. Vanyala blickte finster auf den verbeulten Pilotenhelm zu ihren Füßen und fluchte auf ihr Pech. „Routinemäßige Patrouillenarbeit“, das hatte sie jedenfalls Gedacht ehe der Funkspruch der Corporations-, Allianz- und Flottenführung durchkamen und sich im inneren ihres Cockpits für einem

Moment wie das Endgültige – die absolute leere anfühlte – als die automatisierten Warpbefehle das Steuer übernahmen. Es hätte eine einfache Routineoperation werden können – und dann hatte irgendein verflixtes Iridium Abfanggeschütz die Panzerung ihres Schlachtschiffes komplett durchlagen und die Steuerung gleich mit den Geist aufgegeben. Die Bruchlandung in eins der unteren Schleusentore war da schon wie die alten Schriften besiegelt.

Es war kein Volltreffer gewesen, doch die Schockwellen hatten ihre Heckruder des Kolosses beschädigt und sie abstürzen lassen. Sie war in einem Klon verlassenen, kleinen Schiffsbucht östlich der Hauptplateaus gelandet. Ihr leichter Tritanium beschichteter Carbonpanzer hatte sie beim Absturz geschützt, aber ihr Helm hatte einiges abbekommen. Vanyala hockte sich hin, nahm den verbeulten Helm auf und untersuchte ihn. Die Fernverbindung und die gesamte Sensorenausrüstung waren dahin. Ohne ihn war sie verkrüppelt, taub, stumm und halb blind. Sie fluchte wieder.

Der Schatten einer Bewegung an den Stationstoren fesselte ihre Aufmerksamkeit. Fünf verteidigende Einwohner erschienen, jeder hatte eine Maschinenpistole mit Feinabzug. Die Pistolen waren im Anschlag und auf Vanyala gerichtet. Die Bewohner waren ausgefächert und bedrohten sie von rechts und links. Keiner begann zu sprechen. Sie sprach nie zu Ende. Eben noch hatte Vanyalas Blastergewehr auf den kalten Tritaniumboden neben ihren Füßen gelegen. Plötzlich war es in ihrer Hand.

Fünf Männer zögern eher als einer. Ein flackernder Moment verging, bevor sich die Finger der Einheimischen um die Abzüge krümmten. Vanyala aber wartete nicht. Vanyala zögerte nicht. Vanyala dachte nicht. Vanyala tötete.

Das Blastergewehr gab einen lauten, ohrenbetäubenden Schrei von sich. Als sich der unsichtbare Strahl des konzentrierten Hochfrequenztons in den Anführer der feindlichen Abteilung hineinbohrte, erschauerte er. Dann wurde sein synthetisch hergestelltes Fleisch auf dem stählernem Knochengerüst flüssig und klappte einfach in sich zusammen, als hätte man den Stecker eines Generators herausgezogen. Inzwischen hatte Vanyalas Gewehr schon zwei weitere Ziele gefunden. Endlich ratterten die Maschinenpistolen der beiden letzten Männer los. Ein Kugelregen hüllte Vanyala ein, die sich nach rechts warf. Sie grunzte vor Schmerz, während die Schüsse von ihrem Kampfpanzer abprallten. Dann zielte sie mit dem Gewehr – doch ein Zufallsschuss lies es aus ihren Händen wirbeln.

Vanyala zauderte nicht, als das Gewehr ihres Griff entrissen war. Mit einem Satz sprang sie zum Torrahmen, direkt auf einen der Soldaten zu. Für einen Sekundenbruchteil war die der Mann unschlüssig, dann hob er die Pistole. Aber Vanyala brauchte nur diesen Moment. Mit der Gewalt des Sprungs schmetterte ihre rechte Hand den Gewehrkolben in das Gesicht des Feinds. Ihre Linke, getrieben von zwölfhundert Pfund Masse, hämmerte unter dem Brustbein in den Körper des Verteidigers.

Es war ein Fehler, Kampfklone mit keiner ausreichenden Verteidigung entgegen zu treten. Vanyala ergriff den leblosen Klonkörper und schleuderte sie auf den zweiten Mann, der kurz zu feuern aufgehört hatte, als sein Kamerad zwischen ihn und Vanyala geraten war. Jetzt wurden seine Kugeln von dem fliegenden Körper aufgefangen. Er machte mit angelegter feuernder Pistole einen schnellen Schritt zurück. Dann war Vanyala bei ihm. Als ein Schuss Vanyalas Schläfe prellte, fühlte sie einen brennenden Schmerz. Sie kümmerte sich nicht darum – denn sie hatte gelernt das es nur eine realitätsnahe Projizierung war – damit sie weis wann ihr Kampfklon getroffen wurde (und um es zu vermeiden, dasRekruten Kampfklone verheizen) – sie jagte die Stählerne Handkante in die Kehle des Feindes. Der Mann fiel zu Boden und lag still. Vanyala wirbelte herum, immer noch angespannt und suchte nach dem nächsten Gegner.

Sie war allein. Vanyala beugte sich vor und wischte mit einem Stück von der Uniform des kaputten Klons das ölige Blutimitat von ihrer Hand. Angeekelt runzelte sie die Stirn. Der Marsch zurück zum Hauptpunkt würde seine Zeit dauern, dachte sie und warf den Hydraulikflüssigkeit getränkten Fetzen gleichgültig auf den Boden. Heute war bestimmt nicht ihr Glückstag. Sie grunzte missmutig und kletterte dann durch das kaputte Buchttor, um vor dem Marsch ihr Blastergewehr und den Helm zurückzuholen. Aus dem Gravitationsfeld herausblickend gen äußere Zirkel der Zitadelle, sah sie noch immer Türme brennen.

Atilas laute und fröhliche Stimme knisterte im Nahfunkgerät, das sich in Vanyalas Faust versteckte. „Du bist’s also, Vany.“, sagte er lachend. „Du hast gerade rechtzeitig Signal gegeben. Meine Sensoren hatten nämlich etwas aufgenommen. Noch ein kleines Stück und ich hätte dich weggekreischt.“ „Mein Helm ist kaputt, und die Sensoren arbeiten nicht.“, erwiderte Vanyala. „Verflucht schwierig, Entfernungen zu schätzen. Fernfunk ist auch kaputt.“ „Die hohen Tiere haben sich schon gefragt, was mit dir los ist“, unterbrach Atila sie. „Hast sie’n bisschen zum Schwitzen gebracht. Aber ich dachte mir schon, das du früher oder später wieder auftauchen würdest.“ „Klar,“ sagte sie knapp. „Einer von den ‚Schrottsammlern‘ hat meine Ruder pulverisiert, deshalb habe ich so lange gebraucht. Aber Achtung: Jetzt komme ich.“ Langsam trat sie aus dem Gang, in den sie sich gehockt hatte, und wurde für den Wachposten am Hauptkammertor am anderen Ende des Hauptgangs sichtbar. Sie bewegte sich langsam und vorsichtig.

Atila hob einen schweren silbergrauen Arm, der sich vor der Barriere des provisorischen Außenpostens abzeichnete. Er trug einen kompletten Kampfanzug aus Noxiumlegierung, neben dem Vanyalas Tritanium-Carbonpanzer wie Seidenpapier aussah, und saß auf dem Abzugsitz einer drehbaren Batterie aus Railgunkannonen. Eine Blase aus Schutzschirmen hüllte ihn ein, sodass seine massige Gestalt dahinter verschwamm. Vanyala winkte zurück und verringerte mit langen Sätzen den Abstand zwischen ihnen. Sie hielt genau vor der Barriere an, am Fuß von Atilas Geschütz. „Du siehst verflucht mitgenommen aus“, sagte Atila, der sie hinter seinem Noxiumvisier mit den Sensoren musterte. „Die leichte Rüstung ist keinen Pfifferling wert. Jeder kleine Produzent mit einem Pusterohr könnte dich umlegen.“ Vanyala lachte. „Wenigstens kann ich mich bewegen. Du könntest vielleicht eine ganze Angriffseinheit mit deiner bescheuerten Noxiumlegierung aufhalten, aber ich möchte dich nicht in einer Offensive sehen, Freundchen. Und aus der Defensive gewinnt man keine Kriege.“ „Du hast recht“, sagte Atila. „Wache stehen ist verflucht langweilig.“ Er legte einen Schalter auf seinem Armaturenbrett um. Und ein Abschnitt der Barriere fiel in sich zusammen. Vanyala war sofort hindurch. Einen Sekundenbruchteil Später war die Barriere wieder aufgebaut.

Schnell ging Vanyala zur Provisorischen Kaserne ihres Geschwaders. Als sie sich der Tür näherte, glitt sie automatisch auf und sie trat dankbar ein. Sie war froh Ihresgleichen um sich zu haben. Froh darüber wieder Normalgewicht zu haben. Nach einiger Zeit fühlte sie sich in diesen Fremdvölker Anlagen mit niedriger Schwerkraft immer unbehaglich. In der Kaserne war künstlich die für Gallente normale Schwerkraft erschaffen worden, also doppelt so viel wie auf dem Heimatplanet von dem sie alle stammen. Das war teuer, aber die hohen Tiere sagen immer, dass für die Behaglichkeit der kämpfenden Truppe nichts zu gut war. Im Einsatzraum des Geschwaders legte Vanyala ihre Tritanium-Carbonrüstung ab und warf sie in einen Ersatzkübel. Danach ging sie sofort in ihre hergerichtete Kabine und streckte sich auf dem Bett aus.

Sie drehte sich zu dem einfachen Metalltisch neben ihrem Bett, riss eine Schublaude auf und nahm eine dicke grüne Kapsel heraus. Hastig schluckte sie diese und legte sich zurück um zu entspannen, während sie ihre Wirkung entfaltete. Sie wusste, dass es die Vorschriften nicht erlauben, zwischen den Mahlzeiten Snyph zu nehmen, aber niemand hielt sich an diese Regel. Wie die meisten Soldaten nahm Vanyala es fast ständig, um ihre Geschwindigkeit und Ausdauer auf der Höhe zu halten. Einige Minuten später döste sie gemütlich vor sich hin, als sich plötzlich der Kasten über ihrem Bett meldete. „Vanyala.“ Vanyala setzte sich auf, sofort hellwach. „Ich höre“, sagte sie. „Melden Sie sich sofort bei Major Greyham.“ Vanyala grinste breit. Man reagierte schnell auf ihren Antrag. Und dann sogar ein Hochoffizier. Rasch zog sie einen weiten braunen Arbeitsanzug der so rumlag und machte sich auf den Weg. Das Quotier der Hochoffiziere lag im Zentrum der eingenommenen Bastion. Es bestand aus einem hell erleuchteten, zweigeschossigen Trum, das von Defensivschirmen nach oben geschützt war. Wachposten in leichtem Kampfpanzer taten ihren Dienst hier nun. Einer der Männer erkannte Vanyala. Man ließ sie ein. Gleich hinter der Tür blieb sie kurz stehen, während sie eine Sensorenbank auf Waffen untersuchte. Natürlich war es Soldaten nicht erlaubt, in der Gegenwart von Hochoffizieren Waffen zu tragen. Wenn sie ein Blastergewehr gehabt hätte, wären Alarmsirenen im ganzen Sektor angegangen. Die in den Wänden und in der Decke versteckten Traktorstrahlen hätten sie vollständig aus dem Verkehr gezogen. Als sie die Inspektion hinter sich gebracht hatte, ging sie den langen Flur hinunter auf Major Greyhams Büro zu. Nach einem Drittel der Strecke umschlossen die ersten Traktorstrahlen fest ihre Handgelenke. Als sie die unsichtbare Berührung auf ihrer Haut spürte, wehrte sie sich, aber die Strahlen gaben nicht nach. Noch mehr kamen hinzu, während sie weiter den Flur entlang ging. Vanyala fluchte verhalten und unterdrückte den Impuls, sich noch Stärker zur Wehr zu setzen. Sie verabscheute es, von Traktorstrahlen festgehalten zu werden, aber so war die Vorschrift, wenn man einen Hochoffizier sehen wollte. Die Tür vor ihr öffnete sich, und sie trat ein. Eine ganze Bank von Druckstrahlen ergriff sie sofort und machte sie bewegungsundfähig. Einige passten sich leicht an, und sie Stand steif in Habachtstellung da, obwohl sich ihre Muskeln dagegen auflehnten. Major Marcus Greyham arbeitete an einem überladenen Carbonschreibtisch ein paar Fuß von ihr entfernt und tippselte etwas in ein Dokumentpad. Ein hoher Stapel anderer Dokumentenpds ruhte neben seinem Ellbogen. Darauf lag eine altmodische Laserpistole als Beschwerer. Vanyala erkannte den Laser. Es war eine Art Erbstück, das in Greyhams Familie von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde, und es ging das Gerücht, dass einer seiner Vorfahren die Pistole in den Feuerkriegen des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts auf der Erde benutzt hatte. Trotz

seines Alters sollte das Ding immer noch funktionieren. Nach einigen Minuten des Schweigens legte Greyham schließlich das Schreibgerät nieder und blickte zu Vanyala auf. Für einen Hochoffizier war er ungewöhnlich jung, aber sein wiederspenstiges graues Haar lies ihn älter aussehen. Wie alle Hochoffziere war er aus einer Familie die noch von der Blutlinie her von der Erde stammte. Neben den Soldaten der Angriffseinheiten von den dichten Kriegswelten mit hoher Schwerkraft wie J7HZ-F und Oasa wirken sie zerbrechlich und langsam. „Machen Sie Meldung“, sagte Greyham kurz. Wie immer drückte sich in seinem schmalen, blassen Gesicht ungeheure Langeweile aus. „Feldoffizier Vanyala Neuhold, Angriffseinheiten, gallentische Expiditionsstreitkräfte.“ Greyham nickte, ohne wirklich zuzuhören. Er öffnete eine der Schubladen seines Schreibtisch und zog ein Dokumentpad mit besonderer Markierung heraus. Es war anstatt mit dem üblichen mattgrau-schwarzen Rahmen mit einem rostig-orangen Rahmen umzogen. „Vanyala“, sagte er, während er mit dem Pappier über dem Touchfeld spielte, „ich nehme an, Sie wissen, warum Sie hier sind.“ Mit dem Finger klopfte er auf den Rahmen. „Was soll das bedeuten?“ „Genau das, was dort steht, Major.“, antwortete Vanyala. Sie versuchte, ihr Gewicht zu verlagern, doch die Traktorstrahlen gaben nicht nach. Greyham bemerkte es und machte eine ungeduldige Geste. „Stehen Sie bequem“, sagte er. Die meisten Druckstrahlen gingen aus und ließen Vanyala die Freiheit, sich zu bewegen, wenn auch nur halb so schnell wie gewöhnlich. Sie reckte sich erleichtert und grinste. „In zwei Wochen ist meine Dienstzeit vorbei, Major. Ich möchte den Dienst nicht fortsetzen. Deshalb habe ich beantragt, zur Erde gebracht zu werden. Das ist auch schon alles.“ Greyhams Brauen hoben sich schwach, aber die dunklen Augen unter ihnen blieben gelangweilt. „Tatsächlich?“m fragte er. „Sie sind jetzt fast zwanzig Jahre lang Soldat gewesen, Neuhold. Warum wollen Sie aufhören? Ich verstehe Sie nicht.“ Vanyala zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht. Ich werde älter. Vielleicht habe ich auch genug vom Kasernenleben. Es wird langweilig, ein verdammtes Schrottloch nach dem anderen zu erobern. Ich mächte etwas anderes erleben. Etwas Aufregendes.“ Greyham nickte. „Ich verstehe. Aber ich bin nicht Ihrer Meinung, Vanyala.“ Seine Stimme war weich und überzeugend. „Ich meine, Sie sollten die S.K.Y. höher einschätzen. Wenn Sie nur noch etwas warten, wird es genug Aufregung geben.“ Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. „Ich will Ihnen etwas sagen, Neuhold. Sie wissen, das wir jetzt schon fast dreißig Jahre gegen das Osydium Imperium Krieg führen. Direkte Zusammenstöße zwischen uns und dem Feind hat es bisher nur selten gegeben. Wissen Sie, warum?“ „Klar“, sagte Vanyala. Greyham ignorierte sie. „Ich werde Ihnen sagen, warum“, fuhr er fort. „Bis jetzt haben beide Seiten versucht, ihre Position zu konsoldieren, indem sie sich kleine Welten im Grenzgebiet schnappten. Die Schrottlöcher, wie Sie sie nennen. Aber diese Schrottlöcher sind sehr bedeutsam. Wir brauchen sie als Basen und wegen Rohstoffe, der industriellen Kapazität und der Zwangsarbeiter, die sie liefern. Deshalb versuchen wir, bei unseren Feldzügen so wenig Schaden wie möglich anzurichten. Und deshalb benutzen wir Waffen der psychologischen Kriegsführung wie Heuler. Damit werden vor jedem Angriff so viele Bewohner wie möglich weggescheucht, und ihre Arbeitskraft bleibt uns erhalten.“ „Das weiß ich alles“, unterbrach Vanyala mit der für Gallente typischen Direktheit. „Was soll das? Ich bin nicht hierhergekommen, um mir eine Vorlesung anzuhören.“ Greyham blickte von seinem Schreibtisch auf. „Nein“, sagte er. „Nein, das sind Sie nicht. Also sage ich’s Ihnen gleich, Vanyala. Das Geplänkel ist vorbei. Es wird Zeit, zur Sache zu kommen. Es gibt nur

noch eine Handvoll uneroberter Welten. Schon bald werden wir mit den Eroberungscorps in direkten Kontakt kommen, und innerhalb eines Jahres greifen wir ihre Stützpunkte an.“ Der Major starrte Vanyala gespannt an und wartete auf eine Antwort. Als keine kam, zeichnete sich Verwirrung in seiner Mine ab. Er lehnte sich wieder vor. „Verstehen Sie nicht? Können Sie sich denn mehr Aufregung wünschen? Sie brauchen nicht mehr gegen lächerlichen Zivilisten in Uniformen zu kämpfen, mit ihren schmutzigen kleinen Atomwaffen und primitiven Projektilgewehren. Die Eroberungscorp sind ein echter Feind. Wie wir haben sie seit Generationen Berufsarmee gehabt. Sie haben Schirme und moderne Waffen. Endlich werden unsere Angriffseinheiten einen richtigen Test bestehen müssen.“ „Mag sein,“ sagte Vanyala zweifelnd. „Aber das ist nicht die Aufregung, die ich mir vorgestellt hatte. Ich werde älter. In letzter Zeit bin ich deutlich langsamer geworden. Selbst Snyph erhört mein Tempo nicht mehr.“ Greyham schüttelte den Kopf. „Ihre Leistungen gehören zu den besten in der ganzen S.K.Y., Vanyala. Sie haben zweimal das Sternenkreuz erhalten und dreimal die Medaille des Weltkongress. Jeder Sender auf der Erde hat davon Berichtet als Sie die Landetruppe auf SW7 gerettet haben. Sie brauchen nicht an Ihrer Tüchtigkeit zu zweifeln. Gegen die Kriegscorps benötigen wir Leute wie Sie. Machen Sie weiter.“ „Nein“, sagte Vanyala mit Nachdruck. „Nach den Vorschriften habe ich nach zwanzig Jahren ein Recht auf eine Pension, und meine Auszeichnungen bringen mir auch noch ein paar nette Prämien ein. Jetzt will ich etwas davon haben.“ Sie grinste breit. „Sie sagen ja, dass mich auf der Erde jeder kennt. Ich bin ein Held. Mit meinem Ruf kann ich da einen draufmachen.“ Greyham runzelte die Stirn und trommelte nervös auf den Schreibtisch. „Ich kenne die Vorschriften, Neuhold. Aber eigentlich tritt nie jemand in den Ruhestand – das wissen Sie doch. Die meisten Soldaten wollen an der Front bleiben. Das ist ihre Aufgabe. Deshalb gibt’s die Kriegswelten ja schließlich.“ „Das ist mir egal, Major.“, erwiderte Vanyala. „Ich kenne die Vorschriften, und ich weiß, dass ich berechtigt bin, bei voller Pension in den Ruhestand zu treten. Sie können mich nicht daran hindern.“ Greyham überlegte. Seine Augen waren dunkler vor Nachdenklichkeit. „In ordnung“, sagte er nach einer langen Pause. „Lassen Sie uns vernünftig sin. Sie treten bei voller Pension und Prämien in den Ruhestand ein. Wir geben Ihnen einen Posten auf Valar oder, wenn Sie wollen, in Oasa. Wir machen Sie zum Direktor einer Jugendkaserne – die Altersgruppe können Sie sich aussuchen. Oder zum Direktor eines Trainingscamps. Mit Ihren Auszeichnungen fangen Sie ganz oben an. „ „Nein“, meinte Vanyala fest. „Nicht Valar. Nicht Oasa. Die Erde.“ „Aber wieso?“ Sie sind doch auf Valar geboren und aufgewachsen – in einer Expiditionskaserne, glaube ich. Sie haben die Erde nie gesehen.“ „Stimmt“, gab Vanyala zu. „Aber ich habe im Camp Telesendungen und Filme darüber gesehen. Das hat mir gefallen.“ Außerdem habe ich in letzter Zeit viel über die Erde gelesen. Jetzt möchte ich endlich sehen, wie sie wirklich ist.“ Sie unterbrach sich kurz, dann grinste sie wieder. „Sagen wir, ich möchte sehen, wofür ich all die Jahre gekämpft habe. Besser gesagt ich – meine Kameraden und unsere Corporation.“ Greyham hatte unmutig die Brauen verzogen. Seine Mimik verhärtete sich mit einmal. „Ich komme von meiner Blutlinie aus rrsprünglich von der Erde, Neuhold.“, sagte er. „Ich sage Ihnen, es wird Ihnen nicht gefallen. Sie passen nicht dorthin. Die Schwerkraft ist zu gering und es gibt keine Kasernen mit künstlich höherer Schwerkraft, in die Sie sich flüchten können. Snyph ist illegal, wirklich streng verboten. Aber Kriegshelden brauchen es, Sie müssen also unverschämte Preise für das Zeug

bezahlen. Erdenmenschensind auch nicht reaktionstrainiert. Sie sind völlig anders. Kehren Sie nach Valar zurück. Dort sind Sie unter Ihresgleichen.“ „Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb ich auf die Erde will“, sagte Vanyala hartnäckig. „Auf Valar bin ich bloß eine unter Hunderten von Veteranen und Helden. Zum Teufel, jeder Soldat, der wirklich aufhört, geht zu seiner alten Kaserne zurück. Aber auf der Erde bin ich eine Berühmtheit. Ich werde die schnellste und stärkste Frau auf dem ganzen verfluchten Planeten sein. Das muss doch Vorteile haben.“ Greyham sah jetzt wütend aus. Nichts mehr von der fein einstudierten Mimik eines Hochoffiziers. „Und was ist mit der Schwerkraft?“, fragte er. „Mit dem Snyph?“ „Ich werde mich schon an die niedrige Schwerkraft gewöhnen. Das ist kein Problem. Außerdem brauche ich keine so hohe Geschwindigkeit und so viel Ausdauer, deshalb müsste ich ohne Snyph auskommen können.“ Greyham fuhr sich mit den Fingern durch das ungekämmte Haar und schüttelte zweifelnd den Kopf. Langes, verlegenes Schweigen folgte. Er lehnte sich über den Schreibtisch. Urplötzlich stieß seine Hand auf die Laserpistole zu. Vanyala reagierte. Sie sprang nach vorne. Die wenigen Druckstrahlen, die sie noch hielten , machten sie kaum langsamer. Ihre Hand schoss in einem lähmenden Bogen auf Greyhams Gelenk zu. Da wurde sie mit einem Ruck festgehalten. Die Traktorstrahlen ergriffen Vanyala brutal, hielten sie fest und schmetterten sie dann zu Boden. Greyham, dessen Hand auf halben Weg zur Pistole erstarrt war, lehnte sich in seinen Stuhl zurück. Sein Gesicht war weiß wie Marmor und verängstigt. Er hob die Hand, die Strahlen ließen etwas nach. Die Soldatin rappelte sich langsam wieder auf. „Sehen Sie, Neuhold“, sagte Greyham, „dieser kleine Test hat bewiesen, dass Sie so fit sind wie immer. Sie hätten mich erwischt, wenn ich Sie nicht mit einigen Strahlen langsamer gemacht hätte. Ich sage Ihnen, wir brauchen Soldaten mit Ihrem Training und Ihrer Erfahrung. Wir brauchen Sie gegen die Kriegstreibenden Corporationen. Setzen Sie Ihren Dienst fort.“ Vanyalas kalte blaue Augen waren immer noch wütend und beisend kalt. So kalt wie das Eis eines durch und durch vereisten Planeten. „Zum Teufel mit den Kriegscorps, den Kriegsplaneten und den Schrottlöchern.“, sagte sie. „Ich mache nicht weiter, und Ihre beschissenen kleinen Tricks werden meine Meinung auch nicht ändern. Ich will zur Erde. Sie können mich nicht aufhalten. Greyham vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte. „Einverstanden, Neuhold“, sagte er schließlich und blickte wieder zu ihr auf. Da ist sie wieder. Die eiserne kalte Mimik eines Hochoffiziers. „Sie haben gewonnen. Ich werde Ihren Antrag weiterleiten.“ Er blickte nochmal auf sein Dokumentpad. Hier kam der Nachteil seines Alters durch. Seine Augen verrieten ihn. Seine dunklen Augen wirkten merkwürdig besorgt. „Sie waren ein großartiger Soldat, Neuhold. Wir werden Sie vermissen. Ich sage Ihnen, das Sie Ihre Entscheidung bereuen werden. Sind Sie sicher, dass Sie es sich nicht anders überlegen werden?“ „Vollkommen sicher“, schnappte Vanyala Plötzlich verschwand der seltsame Ausdruck aus Greyhams Augen. Sein Gesicht nahm wieder die eiserne Maske gelangweilter Gleichgültigkeit an. „Nun gut“, sagte er kurz. „Sie sind entlassen.“ „Die Strahlen waren weiter auf Vanyala gerichtet, während sie sich umdrehte. Sie geleiteten sie sehr bestimmt aus dem Gebäudekomplex.

„Bist du fertig, Vanyala?“, fragte Atila, der sich lässig gegen die Tür der Kabine gelehnt hatte. Vanyala nahm ihren kleinen Reiseseesack und war einen letzten Blick zurück, um sich zu überzeugen,

dass sie nichts vergessen hatte. Sie hatte nichts vergessen. Das Zimmer war fast leer. „Glaube schon“, sagte sie und trat durch die Tür. Atila setzte den Noxium-Helm auf, den er unter dem Arm getragen hatte, und lief hinter Vanyala her, um im Flur mit ihr aufzuschließen. „Das wär’s also“, sagte er und passte sich Vanyalas Schritten an. „Ja“, antwortete Vanyala knapp. „Schon in einer Woche werde ich’s mir auf der Erde gut gehen lassen. Dann kriegst du immer noch Blasen am Hintern von deinem Smoking aus Noxiumlegierung.“ Atila lachte. „Kann sein“, sagte er. „Aber ich finde noch immer, das du verrückt bist, ausgerechnet zur Erde zu gehen, wo du doch ein ganzes Trainingscamp auf Valar kommandieren könntest. Vorausgesetzt, du willst überhaupt aufhören. Das alleine ist ja bescheuert…“ Die Kasernentür glitt vor ihnen auf – begleitet von dem typischen, leisen mechanischen surren – und sie gingen hinaus, während Atila noch redete. Ein zweiter Posten flankierte Vanyala auf der anderen Seite. Wie Atila trug er einen leichten Kampfpanzer. Vanyala selbst trug ihre weiße Paradeuniform, die mit goldenen Litzen besetzt war. Ein deaktivierter Paradeblaster hing in einem schwarzen Lederhalfter an ihrer Seite. Passende Lederstiefel und ein polierter Stahlhelm ergänzten die Uniform. Azurblaue Streifen auf ihrer Schulter standen für den Rang eines Feldoffiziers. Beim Gehen klirrten die Medaillen an ihrer Brust. Vanyalas ganzes Drittes Angriffsgeschwader war auf dem Raumfeld hinter der Kaserne aufgestellt, um ihr bei ihrem Abschied zu ehren. Neben der Rampe des Pendlerschiffs stand eine Gruppe von Hochoffizieren. Verteidigungsschirme schützten sie. Major Greyham stand in der ersten Reihe. Sein gelangweilter Gesichtsausdruck wurde durch die Schirme etwas verwischt. Von den beiden Posten flankiert, ging Vanyala langsam über den Beton. Sie grinste unter ihrem Helm. Musik aus der Blechbüchse erklang auf dem Feld. Vanyala erkannte das S.K.Y.-Kampflied und die Hymne von Valar. Am Fuß der Rampe drehte sie sich um und schaute zurück. Auf das Kommando eines der Hochoffiziere salutierte das ganze Corp-Geschwader vor ihr gleichzeitig und blieb so stehen, bis Vanyala den Salut erwiderte. Dann trat einer der anderen Feldoffiziere der Einheit vor und übergab ihr ihre Entlassungspapiere. Vanyala steckte sie sich in den Gürtel, winkte Atila schnell und lässig zu und eilte dann die Rampe hinauf. Sie hob sich langsam hinter ihr. Im Schiff grüßte sie ein Besatzungsmitglied mit kurzem Nicken. „Wir haben ein Spezialquatier für Sie vorbereitet, Ma’am.“, sagte er. „Folgen Sie mir. Es dauert nur fünfzehn Minuten. Dann übernimmt Sie ein Stellarschiff für die Reise zur Erde.“ Vanyala nickte und folgte dem Mann zu Ihrem Quartier. Es handelte sich um einen einfachen leeren Raum, der mit Platten aus Noxiumlegierung verstärkt war. Ein Teleschirm bedeckte die eine Wand. Ihr gegenüber stand eine Gallente übliche Steewercouch. Als sie allein war, streckte sich Vanyala auf der Couch aus und knispste ihren Helm in eine Halterung an der Seite. Druckstrahlen pressten sie sanft nach unten und hielten sie für den Start fest. Einige Minuten später kam ein dumpfes Brüllen aus der Tiefe des Schiffes. Einige G’s drückten Vanyala nieder, während das Pendlerschiff abhob. Der Sichtschirm belebte sich plötzlich und zeigte den unter ihnen kleiner werdenden Planeten. Als sie die Umlaufbahn erreicht hatten, schaltete sich der Schirm aus. Vanyala wollte sich hinsetzen, merkte aber, das sie sich immer noch nicht bewegen konnte. Die Druckstrahlen bannten sie weiterhin auf der Couch. Sie runzelte die Stirn. Wenn das Schiff in der Umlaufbahn war, brauchte sie nicht mehr auf der Couch

zu bleiben. Irgendein Idiot musste vergessen haben, sie loszumachen. „He,“ rief sie. Sie nahm an, dass sich eine Sprechanlage im Zimmer befand. „Die Strahlen sind noch an. Macht die verdammten Dinger los, damit ich mich bewegen kann.“ Niemand antwortete. Sie kämpfte gegen die Strahlen an, aber ihr Druck schien sich noch zu verstärken. Die verfluchten Dinger fingen ein bisschen zu kneifen. Nun drehten diese Irren den Knopf auch noch falsch herum. Sie fluchte leise. „Nein“, rief sie. „Jetzt werden die Strahlen schwerer. Ihr dreht falsch herum.“ Doch der Druck verstärkte sich weiter. Sie fühlte, wie sich immer mehr Strahlen auf sie einstellten, bis sie ihren Körper schließlich umhüllten wie eine unsichtbare Decke. Jetzt fingen sie wirklich an zu schmerzen. „Ihr Idioten. Ihr Irren. Hört auf damit, ihr Hunde.“, schrie sie. In einem plötzlichen Wutausbruch bäumte sie sich gegen die Traktorstrahlen auf. Sie fluchte, aber nicht mal die Muskelkraft eines Velarbewohners konnte sich mit den Druckstrahlen messen. Gnadenlos hielten sie sie auf der Couch fest. Einer der Strahlen war ihrer Brusttasche gerichtet. Seine Gewalt trieb das Sternenkreuz schmerzhaft in ihre Haut. Die Schafte Kante der polierten Medaille hatte die Uniform schon durchschnitten, und Vanyala sah, wie sich langsam ein roter Fleck auf dem Weiß ausbreitete. Der Druck verstärkte sich. Vanyala krümmte sich vor Schmerz und wand sich in ihren unsichtbaren Fesseln. Ohne Erfolg. Der Druck wurde noch stärker, und mehr und mehr Strahlen gingen an. „Hört auf!“, schrie sie schrill. „Ihr Hunde, ich reiße euch in Stücke, wenn ich hier raus bin. Ihr bringt mich um, verflucht“ Sie hörte das scharfe Knacken eines Knochens, der unter dem Druck brach. Vanyala fühlte einen heftigen Stich am rechten Handgelenk, dann knackte es nochmal. „Hört auf“, schrie sie mit vor Schmerz hoher Stimme. „Ihr bringt mich um. Verdammt, ihr bringt mich um!“. Plötzlich begrif sie, dass sie recht hatte.

Greyham sah Finster zu dem Adjutanten auf, der das Büro betrat. „Ja? Was ist los?“ Der Adjutant, ein junger Mann mit Abstammung von der Erde, der zum Hochoffizier ausgebildet wurde, salutierte stramm. „Wir haben gerade die Meldung von dem Pendlerschiff bekommen, Sir. Es ist alles vorbei. Sie wollen wissen, was sie mit der Leiche tun sollen.“ „Sie im Raum absetzen“, antwortete Greyham. „Das ist so gut wie jede andere Lösung.“ Ein dünnes Lächeln glitt über sein Gesicht, und er schüttelte den Kopf. „Wirklich Schade. Neuhold war eine gute Kämpferin. Eine gute Pilotin. Aber ihr Psychotraining muss irgendwo versagt haben. Wir sollten eine strenge Mahnung an den Konditionierungsexperten ihrer Kaserne schicken. Allerding ist es seltsam, dass es sich erst jetzt gezeigt hat.“ Wieder schüttelte er den Kopf. „Die Erde“, sagte er und lies den Hohn nicht versteckt. „Für einen kurzen Moment hatte sie mich sogar so weit, dass ich es fast für möglich hielt. Aber als ich sie mit meinem Laser getestet hatte, wusste ich Bescheid. Völlig unmöglich.“ Er schnaubte abwertend und ein Schaudern durchfuhr ihn. „Als könnten wir jemals einen Kriegsweltler die Wahrheit sagen.“ Dann wandte er sich wieder seiner Schreibtischarbeit zu. Der Adjutant drehte sich um, um hinauszugehen. Greyham sah nochmal auf. „Noch etwas“, sagte er. „Vergessen Sie die Reklamemeldung für die Erde nicht. Machen Sie daraus: Kriegsheld stirbt bei Schiffsvernichtung durch Kriegscorp. Peppen Sie die Sache richtig auf. Einige der großen Netze werden es schon aufgreifen. Das ist gute Publicity und schicken Sie ihre Auszeichnungen nach Valar.

Man wird sie für das Pilotenmuseum benötigen. Anschließend lassen sie die Propagandaberichte in den übrigen Kasernen laufen, das die anderen Idioten weiterhin in ihrer eigenen dummen kleinen utopischen Welt bleiben, ‚dass wir das alles nur für die Erde tun‘.“ Der Adjutant nickte, und Greyham ging an seine Arbeit zurück. Er sah immer noch ziemlich gelangweilt aus.

Nachwort: Die Geschichte basiert in Metaphern auf eine wahre EvE-Gegebenheit mit natürlich fiktiven Elementen. Falls ihr noch etwas tiefgründiger darüber nachdenken wollt – bitte nicht weiterlesen.

Im Grunde geht es in „Die Lüge ‚Erde‘“ um die einfache Metapher „falsche Versprechungen/Idealen“, wie sie so manche Corps in ihren Führungsstils einbauen. Bis auf einer, wurden die EvE Namen natürlich abgeändert *schmunzel*

 

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