EVE Online – One Shot

Seit Tagen waren alle Versuche gescheitert, die Blockade durch die Gallente zu durchbrechen und das System mit Truppen zu versorgen.

Wieder einmal wurde das Sprungtor von Aussen aktiviert und Sekunden später sprangen dutzende Transporter, eskortiert von Kampfschiffen, durch den Subraum.

Nur Augenblicke später waren beinahe alle der Caldari-Schiffe durch massiven Blaster-Beschuss atomisiert worden. Völlig unerwartete überstand einer der Transporter den Alpha-Beschuss und verschwand im Warptunnel.

Metall kreischte, als der Transporter unsanft auf dem Landedeck des Trägers aufschlug und über den blanken Stahl schlitterte. Nach einigen Metern kam er zu stehen. Die Luken wurden abgesprengt und dichter Rauch qualmte aus dem Schiff. Die herbeigeeilten Rettungsmannschafften begannen mit der Evakuierung der Passagiere.

Kara Buckstar taumelte durch die Gänge des Transporters und versuchte verzweifelt, ihre Umgebung zu ertasten. Hell scheinendes Licht taucht vor ihr auf. Sie trat durch die Öffnung und stolperte.

Stunden später erlang sie ihr Bewusstsein wieder. Sie lag in einem Gang, auf eine Trage gebettet. Sie war nicht allein, überall lagen Menschen, die bewusstlos waren oder vor Schmerzen schrien. Es stank nach verbranntem Stahl und verkohltem Fleisch. Sie richtete sich auf, und griff instinktiv an ihre schmerzende Kopfwunde. Einer der Ärzte bemerkte sie und lief auf sie zu. Er scannte ihre Triagenummer und leuchtete in ihre Augen, dann hielt er inne.

“Name und Rang?”

“Kara Buckstar, Flight Sergeant, Sir.”

Er musterte sie.

“Melden sie sie am Flugdeck. Wir benötigen im Moment jeden flugtauglichen Piloten.”

Kara rappelte sich hoch und salutierte.

“Verstanden, Group Captain.”

Am Weg zum Flugdeck herrschte überall hektische Betriebsamkeit. Wartungspersonal lief umher, an jedem grösseren Schott standen Soldaten, die ihre ID-Card überprüften. Immer wieder fühlte sie das tiefe Grollen, das den Beschuss von Aussen begleitete. Überall konnte man die Schäden des fortschreitenden Kampfes sehen. Kabel hingen von der Decke und die Luft war vom Geruch verbrannten Isolationsmaterials erfüllt. Die Lichter flackerten jedesmal, wenn die Shieldbooster des Trägers einen weitern Zyklus starteten.

Als Kara das Flugdeck erreichte, hatten sich die meisten Piloten schon versammelt. Sie stellte sich zur Gruppe, um der Taktikbesprechung zuzuhören.

Die Blockade war durchbrochen worden. Das bedeutete immerhin Nachschub.

Der Plan, mit allen Ressourcen auf einmal einen Angriff gegen die planetaren Anlagen zu starten, grenzte allerdings an Wahnsinn.

Sie griff nach ihrem PDA, der eben ihre Befehle empfangen hatte. Sie war eine Schwadron zugeteilt worden, die die Landungsschiffe eskortieren sollte. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Reiner Selbstmord, ganz ohne Kapsel. Einen Weg, sich unbeschadet abzusetzten gab es aber ohnehin nicht. Abgesehen davon hatte sie einen Vertrag unterschrieben. Keine guten Voraussetzungen, hier das einzig Richtige zu tun und sich zu verdrücken.

Leicht angewiedert zwängte sie sich in einen der gebrauchten Pilotenanzüge und danach in den Sitz ihres Fighters. Sie ging die Checkliste durch, während sie per Lift zu den Katapulten gehoben wurde. Ein kurzer Ruck ging durch die Maschine, als sie sich verankerte.

Karas Hände zitterten leicht. Sie atmete tief durch.

‘Yippee-ki-yay, Schweinebacke!’,

kam ihr in den Sinn, als die Beschleunigung des Katapults die Luft aus ihren Lungen presste.

Sie schoss den Tunnel entlang, die Wände verschwammen. Ein Ruck. Sie fühlte sich leicht.

Der Weltraum.

Unendliche Weiten.

Zwischen den Trägern, Schlachtschiffen, Kreuzern und Frachtern funkelten im Licht des Sterns Jäger, Kampfbomber und Landungsschiffe, die von den übrigen Träger starteten.

Kara aktivierte die Steuerung ihres Jägers und folgte dem HUD Marker zum Sammelpunkt. Als angehende Kapselpiloten war sie bisher nur rudimentär an Jägern ausgebildet worden. Die manuelle Steuerung verhielt sich völlig anders im Vergleich zum neuralen Interface. Langsam bekam sie wieder ein Gespür dafür.

Wenige Minuten später begann der Angriff. Sie stürzte auf den Planeten zu, neben ihr andere Jäger, die an ihr vorbeizogen.

Der Planet wurde immer größer und füllte schon das gesamte Gesichtsfeld aus. Gebirgszüge, Flüsse und Seen waren unter den Wolken erkennbar.

Der Waffenplattformen der Perimeterverteidigung begannen auf sie zu feuern. Einer der Jäger neben ihr wurde getroffen und trudelte unkontrolliert weg, bis er in einem Feuerball zerbrach. Einen Moment später schlugen Salve um Salve von Marschflugkörper ihrer Flotte in die Plattformen ein.

Sie wich den Trümmerteile aus und drang weiter Richtung Planet vor. Als sie in die Atmosphäre eindrang, begannen sich um das Schild ihres Jägers gleißende Plasma-Entladungen zu bilden, die ihre kinetische Energie in die Umgebung abstrahlten.

Eine halbe Rotation weiter befand sie sich im Anflug zum Zielgebiet. Raketen brachen durch die Wolkendecke und die Geschosse der Railguns am Boden schienen dunkle Striche in den Himmel zu malen.

Sie konnte einige der Raketen mit gezielten Salven abschiessen, die übrigen trafen aber ihre Ziele. Einer der Truppentransporter wurde getroffen und taumelte Richtung Boden, während er einen Schweif aus Feuer und Rauch hinter sich her zog. Viele der Soldaten sprangen mit Hilfe ihrer Dropsuits aus dem brennenden Schiff, das, von einer weiteren Rakete getroffen, schließlich vollständig auseinanderbrach. Kara konnte ihnen nur Glück wünschen, dass die Dämpfungsfelder Sprünge aus dieser Höhe absorbieren konnten.

Über dem Zielgebiet ging inzwischen ein starkes Gewitter nieder. Die verbleibenden Transporter und ihre Begleitjäger flogen durch die dunkle Wolkendecke. Abgesehen von Wind und Regen erschwerte das verstärkte Abwehrfeuer das Absetzen der Truppen.

Kara kreiste über dem Gebiet als eine Staffel feindlicher Abfangjäger auf dem Scanner auftauchte. Sie setzte sofort Marker für ihre Staffelmitglieder und begann die feindlichen Jäger anzugreifen.

Sie hing gerade hinter einem der Jäger und feuerte ihm eine Salve Kurzstrecken-Raketen ins Heck, als das Abwehrsystem ihres Fighters anschlug und mehrfache Raketenwarnungen abgab. Hinter ihr glühten Flares in einem weiten Bogen, während sie mit Erfolg versuchte, den anfliegenden Raketen in einer Rollenbewegung auszuweichen.

Sekunden später traf das Projektil einer Railgun ihr rechtes Triebwerk. Der Jäger begann zu trudeln. Durch den plötzlichen Ruck wurde ihr Kopf hart gegen eine Querstrebe des Cockpits geschlagen. Blut sickerte unter dem Helm hervor und lief über das Gesicht. Überall blinkten Warnmeldungen. Sie riss am Hebel des Notausstiegs. Sekunden vergingen.

Kara fiel im Regen hunderte Meter gegen die Planentenöberfläche. Die Notfall-Dämpfungsfelder ihres Anzuges aktivierten sich automatisch.

Mit einem dumpfen Schlag landete sie unsanft am Boden und blieb in einer schlammigen Mulde mitten in einer Gruppe von Bäumen liegen.

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