The Lord of the Wings – Kapitel 3

 

Kapitel 3: Man in Black

(references: Men in Black, 1997; figure(s) in US pop culture conspiracy theories)

Die Zelle in der Sicherheitszentrale war so heruntergekommen wie der Rest der Station. Im flackernden Licht der ständig halbdunklen Beleuchtung glitten die Stunden ineinander.

Kira verbrachte nun schon den siebenten Tag hier, jedes Gefühl für die verstrichene Zeit verloren. Der einzige Fixpunkt war die Metallschale voll ekelhafter Pampe, die bei der Essensausgabe durch ein Loch in der Tür geschoben wurde. Zwischendurch wurde sie immer wieder zum Verhör aus der Zelle gezerrt und die immer gleichen Fragen gestellt, warum sie an die Station gekommen war, wie der Orcapilot in das Bild passte und wie zur Hölle sie es geschafft hatte, in einem neuen Klon aufzutauchen. Sie hatte bisher alle Fragen ignoriert und bloß vor sich hingestarrt.

Dösend ließ sie ihre Augen wieder einmal über die an die Zellenwand geschmierten Botschaften früherer Insassen gleiten.

“Langsam”, dachte sie, “wirds hier ungastlich.”

“Los! Aufstehen!”

Kira schreckte auf. Sie war eingeschlafen und wurde wieder einmal unsanft geweckt.

Sie knurrte: “Was wollt Ihr Schweine schon wieder?”

Die Wache stieß ihr den Knüppel in die Rippen.

“Aufstehen!”

Kira schlug die schäbige Decke zur Seite und kletterte von der Pritsche. Sie streckte die Hände vor.

“Diesmal nicht. Aber komm bloß nicht auf dumme Gedanken, sonst gibts knüppeldick. Los jetzt!”

Sie zog verdutzt die Augenbraue hoch und trottete hinter der Wache aus der Zelle.

Am Tisch des Verhörraums saß ein Mann im schwarzen Anzug, das Gesicht regungslos und die Augen von einer Sonnenbrille verdeckt, eine Nadel an der Krawatte. Kira setzte sich an den Tisch.

Der Mann öffnete den Verschluss der Aktenmappe vor ihm und blätterte durch eines der Dokumente. Kira legte den Kopf zur Seite und betrachtete ihn neugierig. Er blickte auf.

“Sie haben die Einheimischen in ziemliche Aufregung versetzt.”

Kira zuckte mit den Schultern.

“Wer sind Sie? Wenn sie mir die selben Fragen stellen wollen, wie die anderen Idioten vor Ihnen, dann können wir uns beide Zeit sparen, indem Sie die bisherigen Verhörprotokolle lesen und mich in Ruhe lassen.”

Der Mann ignorierte die Frage und blickte wieder in die Akten.

“Kira Hhallas, Raumschiffcaptain. Etwas zwielichtige Geschäftspraktiken. In mehreren Fällen Verdacht auf Schmuggel, illegale Bergungen von Schiffsladungen und diverse Betrügereien. Bisher kein Nachweis erfolgt, keine Verurteilungen. Aktuell beschuldigt der Tötung eines Kapselpiloten.”

Kira kniff die Augen zusammen. “Was soll das?”

Er blickte auf. “Ich sehe hier zwei Optionen für Sie. Die eine hat Zukunft, die andere belässt Sie in ihrer Zelle bis Sie verfault sind.”

Kira atmete tief durch.

“Ich werde Ihnen so weit entgegenkommen, wie es mir möglich ist, Kira Hhallas. Ich bin hier, weil wir ihre Hilfe in Anspruch nehmen wollen.”

Er nam die Brille ab.

“Wir wissen, dass Sie Ihre unerwartete…Auferstehung einem Individuum namens Dax zu verdanken haben.”

Kira runzelte die Stirn. Der Mann lehnte sich vor und verschränkte die Finger.

“Meine Kollegen sind der Meinung, dass ich meine Zeit mit Ihnen vergeude, aber ich glaube an Ihre Einsicht.”

Er schob die Akte zur Seite.

“Wir sind bereit, die Folgen Ihrer Verwicklung in das Ereignis in der Bar beiseite zu schaffen, ihre Weste weiß zu waschen. Dafür verlangen wir nur, dass Sie Dax finden und zu uns bringen.”

Kira blickte ihn perplex an. “Wo ist er hin, weswegen und warum sollte ich ihn finden können?”

Der Mann blickte gelangweilt an die Decke.

“Wenn uns bekannt wäre, wo genau er sich befindet, würden wir uns kaum unterhalten, nicht wahr? Bitte unterlassen Sie den plumpen Versuch, vorzutäuschen, Sie würden ihn nicht näher kennen. Uns sind Ihre gemeinsamen…Projekte in der Vergangenheit durchaus bekannt. Der Grund für sein Verschwinden ist derselbe, warum Sie noch am Leben sind. Sie glauben doch nicht, dass eine derartige Anwendung völlig unbemerkt bleibt? Gewisse Gruppierungen haben großes Interesse daran und  entsprechenden…Verhandlungsdruck ausgeübt.”

“Gruppierungen? Leute wie Sie? Ich weiss genau wo er ist, sehen Sie mal her, hier können Sie die Koordinaten ablesen!” Sie hielt ihm die geballte Faust mit ausgestrecktem Mittelfinger vor die Nase.

Sein Gesicht zeigte keine Regung. Er fuhr fort: “Meine Arbeitgeber sind ebenfalls daran interessiert, mehr Details über diese Art von Modifikation zu erfahren.”

“Sie können mich mal.”

“Ich bin enttäuscht von Ihnen, Kira Hhallas. Ich hatte wesentlich höhere Erwartungen an Sie. Nun, ich bin mir sicher, Sie werden uns trotzdem helfen. Ihre…Mitarbeiter wurden von uns inzwischen auf diese Station verbracht und haben angesichts ihrer Lage bereitwillig zugestimmt, unser Angebot anzunehmen.”

Kira kochte vor Wut. “Welche Lage? Ihr könnt ihnen gar nichts anhängen!”

“Nein? Ich denke, dass die Behörden des Empires großes Interesse zeigen würden, sollten Sie von der illegalen Verwendung manipulierter Söldnerimplantate erfahren.”

“Ihr Schweine! Das ist Erpressung!”

“Nennen wir es einen…Ausweg, den wir ihnen anbieten. Im Erfolgsfall werden wir Sie ausserdem mit einer Milliarde Kredits pro Piloten entschädigen.”

Kira holte tief und langsam Luft. “Was wird aus Dax?”

“Sobald wir seine Dienste nicht weiter benötigen, wird er ebenfalls eine Kompensationszahlung erhalten und entlassen.”

“Was ist mit dem Vorfall in der Bar und meinem Aufenthalt in diesem Luxushotel?”

“Wenn Sie zustimmen, steht es Ihnen frei, zu gehen. Sämtliche Aufzeichnungen und Beweise werden dauerhaft verschwinden, noch bevor Sie diesen Raum verlassen.”

Kira sprang auf und streckte ihm die Hand entgegen. “Deal!”

Er blickte Sie an, nahm die Akte und stand auf. “Wir werden Sie kontaktieren.”

“Sie haben mir noch immer nicht gesagt, wie Sie heissen.”

Der Mann drehte sich in der Türschwelle um.  “Nennen Sie mich Smith. Mr. Smith.”

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