The Lord of the Wings – Kapitel 2

Kapitel 2: Primeval

(lat. primus aevum: “erste Zeit”,  also: UK TV series)

Es war ein angenehmer Frühlingstag auf der nördlichen Hemisphäre dieser von

Ozeanen bedeckten blauen Kugel. Die Sonne des Systems spendete wohlige Wärme und die Insekten summten bereits beflissen rund um die noch spärlichen Blütenpflanzen, die gerade dabei waren, sich nach den Wintermonaten aus dem Boden zu wagen.

Die Landschaft bestand aus weitgestrecktem Grasland und bewaldeten Hügeln.

In der Ferne konnte man durch einen Dunstschleier ein Gebirge mit noch

schneebedeckten Gipfeln erkennen. Die Menschen die diesen Planten besiedelten trieben etwas Bergbau, ein wenig Landwirtschaft und lebten ansonsten von dem, was sie aus den Meeren gewinnen konnten.

Eine Gruppe von wilden Gunanucas graste unbehelligt auf den Wiesen

und eine leichte Brise strich über das Land. Die Natur auf dem Festland des

Planeten war in der glücklichen Lage, dass die meisten Siedler sich nicht dafür interessierten. An diesem Tag aber überkam zwei Freundinnen die Abenteuerlust.

„Verdammt, flieg langsamer, da vorne sind Viecher!“, sagte Deidre Durenald ein wenig angespannt.

„Ach, mach dir keine Sorgen, die laufen ohnehin weg.“, versuchte Kira Hhallas, Deirdre zu beruhige. Sie dämpfte ihre Zigarette im Aschenbecher ihres Wohngleiters aus.

„Dir ist aber schon klar, dass dieses Ding hier kein Panzer ist?“, erwiderte ihre Freundin.

„Aber was, das Teil hier hat schon so einiges ausgehalten, diesen Ausflug wird es auch noch überleb…“

Kira brach mitten im Satz ab, als die Herde der Gunanucas plötzlich in Bewegung setzte, aber nicht, wie angenommen, aus der Flugrichtung des Wohngleiters, sondern direkt darauf zu.

Kira knallte die Faust auf den großen roten Knopf für die Not-Bremsraketen und verriss den Steuerknüppel, während Deirdre panisch losbrüllte und sich

gleichzeitig mit Händen und Füssen gegen die Cockpitverkleidung stemmte.

Der Wohngleiter raste direkt in die Herde.

„Slllllluurp“

Eines der Tiere war mit einem dumpfen Knall gegen die Aussenhülle geprallt und in rechten Ansaugschacht des Antriebs gezogen worden, der sich laut krachend verschluckte.

Deirdre brüllte weiterhin ohrenbetäubend, obwohl der Wohngleiter längst zum

Stehen gekommen war. Kira lehnte sich zurück, nahm zitternd die Hände vom Steuer, steckte sich eine Zigarette in den Mund, zündete sie an und versuchte, sich zu entspannen. Ihr Blick fiel auf Deirdre.

„Keine Panik“

Sie warf ihr ein Handtuch zu.

„Wisch dir mal den Angstschweiss von der Stirn.“

Deirdre verstummte. Kira fuhr die Landebeine aus und setzte den Wohngleiter auf den Boden. Sie öffnete die Luke und stieg aus. Kira sah sich kurz um und begutachtete die Schäden. Bis auf ein paar Dellen im Blech der Aussenhülle fielen ihr auf den ersten Blick keine weiteren Schäden auf.

Allerding ragten auf der rechten Seite zwei knorrige, ledrige Beine aus dem noch blutverschmierten Ansaugschacht hervor. Kira nahm einen tiefen Zug von derZigarette. Leise grummelte sie eine Serie von Schimpfwörtern vor sich hin.

Deirdre, noch schlottrig auf den Beinen, kletterte inzwischen aus dem

Wohngleiter. Bleich im Gesicht, knackte sie den Verschluss einer Bierdose auf und ging zu Kira. Sie starrten beide auf die Hufe und das zottelige Fell, das sich sich in den Turbinenblättern verwickelt hatte.

Deirdre nahm einen großen Schluck Bier und sagte:

„Verdammt, du hast Bambi umgebracht.“ Kira drehte den Kopf zu Deirdre und fragte verwirrt:

„Wer zur Hölle ist Bambi und was macht er in meinem Antriebsschacht?“

Deirdre nahm einen weiteren Schluck. Sie standen noch ein paar Minuten vor dem Ansaugschacht. Deirdre leerte ihre Dose, zerdrückte sie und meinte: „Wie kommen wir jetzt von hier weg? Hast du dir das schon überlegt? Ich vermute mal, dasss deine Eltern ziemlich sauer sein werden, wenn sie erfahren, dass du ihren Wohngleiter in eine Herde Wildtiere geflogen hast. Die Reparatur wird sicher auch nicht billig.“

Kira nahm eine weitere Zigarette aus der Schachtel und steckte sie an.

Man konnte sehen, wie sie darüber nachdachte, dass jetzt jede Menge Ärger auf sie zukam.

„Ich glaub, ich hab eine Idee. Kannst du dich noch an Nigel Tenton erinnern?  Der hat früher mal einen Stock über mir gewohnt und wir haben nächtelang Pen and Paper mit ihm gespielt.“, fragte Kira.

„Sicher kann ich mich erinnern, war das nicht der, der im Suff seine

Wohnungstür angebrüllt hat?“

„Ich glaub du verwechselst da etwas, das warst du selbst, nach dem du irgendein übles Zeug geraucht hast, und gedacht hast, die Türe wäre ein Türsteher, der dich nicht durchlassen will“, erwiederte Kira.

„Hah, jetzt weiss ichs wieder. Du bist doch mal mit ihm im Bett gelandet, weil du im Suff so beeindruck davon warst, dass er auf die Piloten-Akademie geht, nicht wahr?“, grinste Deirdre.

Kira kratzte sich am Kopf und meinte: „Hmm…wär schon möglich, so genau kann ich mich nicht daran erinnern, aber genau den meine ich. Glaubst du, dass er uns aushelfen könnte?“

„Probieren können wir’s ja, aber erst hol ich noch zwei Bier und dann ziehen wir die Reste von dem armen Vieh mal aus dem Schacht raus. Mit ein bisschen Glück springt das Triebwerk wieder an.“ Deirdre drehte sich um und holte das versprochene Bier.

Eine knappe Stunde später war der Schacht wieder gesäubert, aber die Hoffnung auf ein funktionsfähiges Triebwerk war zerschlagen, da sich eine Menge der Turbinenblätter wahllos in der Antriebsgondel verteilt hatten. Kira sagte enttäuscht:

„Also mit nur Klebeband und Spucke kriegen wir das nicht mehr hin,

der Antrieb ist futsch. Wir werden nicht drum rum kommen, Nigel zu

kontaktieren.“

„Du hast recht, aber schlag vor, dass wir erst mal unter die Dusche gehen, das getrocknete Blut fängt langsam zu stinken an. Ausserdem sollten wir den Kadaver vergraben damit hier während der Nacht keine Fleischfresser

aufkreuzen. Ich hab keinen Bock, einem Palulukan zu begegnen, der vielleicht noch Lust auf einen Happen Mensch als Nachspeise hat.“

„Keine schlechte Idee“, pflichtete Kira bei.

Es vergingen zwei Stunden, bis sie den Kadaver weggebracht und in einem

nahegelegenen Waldstück verscharrthatten. Nun saßen sie auf Klappstühlen, jede eine Bierdose in der Hand. Es war inzwischen Nachmittag und die Sonne schien direkt auf den Wohngleiter. Kira nahm ihren PDA, durchsuchte die gespeicherten Kontakte und rief Nigel an. Nach einigen Sekunden landete sie im Voice-Mail:

„Sie sind nun in der Sprachbox der ASF-Mining Ltd., bitte hinterlassen sie ihre Nachricht nach dem Signalzeichen.“

Kira umriss die missliche Lage, bat um Hilfe und legte auf.

„Ich hoffe er hört seinen Anrufbeantworter überhapt ab“, sagte Kira.

Schulterzuckend erwiderte Deirdre: „Wir werden sehen. Bis Morgen vermisst uns ohnehin noch keiner und wenn wir etwas Glück haben, meldet er sich bald.“

Die Stunden vergingen und nichts geschah. Man konnte die Zeit an dem wachsenden Haufen leerer Bierdosen und Zigarettenstummeln messen. Langsam wurde es zu kühl, um weiter unter freiem Himmel zu verharren und beide legten sich angetrunkten zum Schlafen in den Wohngleiter.

Am nächsten Morgen wurden sie durch das laute Aufheulen von Triebwerken aus dem Schlaf gerissen. Die Sonne schien bereits hell durch die Frontscheibe. Kira rappelte sich auf, und kletterte, noch in der Unterwäsche, durch die Luke nach draussen.

Verschlafen blickte sie auf das gerade gelandete interstellare Shuttle. Die

Seitenklappe öffnete sich und drei Männer kamen zum Vorschein. Einen davon

erkannte Kira sofort, es war Nigel Tenton. Er ging auf sie zu und grinste breit:

„Guten Morgen, meine Dame, gut geschlafen? Wie ich sehe, war es wohl wieder mal ein flüssiger Abend. Ich hab deinen Nachricht noch gestern bekommen und da ich nur zwei Systeme weiter war, dachte ich, ich komm mal vorbei.“

Kira war noch nicht ganz wach und daher war ihre Antwort nur auf ein halb

verschlucktes „Guten Morgen“ beschränkt.

Nigel grinste, als er Deirdre aus dem Wohngleiter steigen sah und sagte: „Ich hab eigentlich schon erwartet, auch dich hier zu treffen.“

Er blickte zu Kira: “Lass mich raten, du bist geflogen?“ Kira nickte kurz. Ich hab vorsorglich zwei meiner Techniker mitgenommen.“

Er sah hinüber zum Wohngleiter.

„Sie werden das antike Teil schon wieder flott bekommen. Ich würde übrigens vorschlagen, dass ihr mal darangeht, euch ordentlich zu machen. Ist ja fürchterlich anzusehen, wie ihr gerade ausseht.“

Nach knapp zwei Stunden war der Wohngleiter wieder bedingt einsatzfähig. Die Techniker versichteren, dass sie es zumindest zurück in die Stadt schaffen würden, allerdings wäre eine Generalüberholung inklusive neuem Antrieb fällig.

Zwischenzeitlich unterhielten sich Nigel, Kira und Deirdre über alten Zeiten. Nigel erzählte davon, wie sich sein Leben durch den Entschluß, sich in die Weiten des Alls zu begeben, verändert hatte.

“Bei mir hat sich vieles zum Positiven verändert, seit ich von dieser Kugel runter bin. Es ist ja nicht so, als wäre das hier ein hässlicher Planet, aber die Menschen hier sind ihrem melancholischen Trott gefangen und ich hatte nie den Eindruck, als würden sie mehr aus sich machen wollen, als von einem Tag zum anderen zu leben.”

“Das ist wohl wahr”, meinte Kira, “mich hält hier eigentlich nichts, allerdings habe ich auch keine Vorstellung davon, was ich da draussen machen könnte.”

“Der Beruf eines Raumschiffpiloten ist durchaus angesehen und meistens auch sehr lukrativ. Natürlich muss man sich seinen Platz auch schon mal erkämpfen, dem Universum bist du schliesslich völlig egal. Es kümmert sich nicht darum, wie du dich selbst siehst oder was du dir wünscht und genauso wenig tun das die wenigsten da draussen. Egal ob du einem ehrbaren Beruf nachgehst und Mineralien aus Asteroiden abbaust, Transportaufträge übernimmst oder Händler am intergalaktischen Markt wirst, du wirst immer viel Zeit und Energie aufwenden müssen, um dich von der Masse der Konkurrzen abzusetzen. Den Abenteuerlustigen, die bereit sind Risiken einzugehen,  bieten sich noch viele andere Möglichkeiten, Ruhm und Reichtum zu erlangen.”

Kira grinste verschmitzt. “Ruhm und Reichtum sagst du? Obwohl, der Ruhm ist mir eigentlich egal, aber Reichtum wär eine feine Sache.”

Kira boxte Deirdre in die Seite und frage: “Wär das nichts für uns, was meinst du?”

Deirdre starrte geistesabwesend in die Luft und murmelte: “Hmmm….ja…werden wir machen…”

Nigel lachte.

“Wenn ihr Glück habt, schafft sogar ihr die Aufnahme in die Akademie. In letzter Zeit sind die Voraussetzungen immer niedriger angesetzt worden. Der Druck der Unternehmen ist so groß, wie die Nachfrage an Piloten. Wie wär’s wenn ihr mich in der Orbitalstation besucht? Ich hatte für morgen ohnehin ein Meeting mit einem Geschäftspartner angesetzt. Ihr habt euch diese Welt ohnehin noch nie von oben angesehen, nicht wahr?”

Kiras Augen leuchteten auf. “Wow, Deirdre, das wär doch mal ein interessanter Ausflug, oder?”

Deirdre räkelte sich in ihrem Sessel und grunzte:  “ Warum nicht…”

“Wunderbar”, meinte Nigel, “ich werde euch später noch die Details mailen, aber jetzt muss ich langsam los.”

“Wir ebenfalls, der  Wohngleiter hat, denke ich, noch einen Termin in der Werkstatt”, sagte Kira und bedankte sich bei Nigel für die Hilfe.

Sie sahen zu, wie Nigels Shuttle abhob und in den Himmel emporstieg. Nachdem es ausser Sicht war, öffnete Kira die Luke des Wohngleiters und schwang sich in den Pilotensitz. Kurz darauf ließ sich auch Deirdre in den zweite Sitz im Cockpit fallen. Kira steckte sich eine Zigarette in den Mund, zündete sie an, nahm einen kräftigen Zug und drückte den Startknopf auf der Amartur. Der Bordcomputer machte einen Selbsttest und quittierte mit einer Folge von “Peep”-Lauten und einem blauen Schirm mit weisser Schrift.

Kira schnitt eine Grimasse.. “Verdammtes Mistding! Muss wohl noch  warmlaufen…”

Nach einem  zweiten Versuch waren alle Systeme online, auch das vormals defekte Triebwerk zeigte nun einen aktiven Status.

“Alles klar, ich glaube wir können los!”, sagte Kira. Deirdre nickte und fragte: “Noch ein Bier, bevor wir losfliegen?”  Kira verdrehte die Augen. “Bedien dich, aber ich verzichte. Ich will uns heil nach Hause bringen. Dann ja…”

Kira aktivierte den Schwebeflug, zog die Landebeine ein und steuerte den Wohngleiter in Richtung Stadt.

“Wir sollten uns die Sache mit der Pilotenausbildung noch mal durch den Kopf gehen lassen”, sinnierte Kira, währen die Landschaft vor dem Fenster vorbeizog. “Hält dich denn irgend etwas hier?”  Deridre zuckte die Achseln: “Hmm…ich müss darüber nachdenken, aber eigentlich, Nein.”

Sie flogen eine zeitlang schweigend weiter.

Deirdre grinste plötzlich: “Was meinst du, warum war Nigel wohl so motiviert, ein paar Systeme weit zu fliegen, nur um uns hier auszuhelfen? Und dann lädt er uns noch ein, ihn auf der Orbitalstation zu besuchen? Reine Nächstenliebe war’s wohl nicht.”

Sie blickte zu Kira und zwinkerte. “Ich glaub er hofft darauf, dass du ihn vor lauter Begeisterung wieder mal…” Deirdre machte einen perverse Geste.

Kira fauchte: “Ich bestreite, dass das jemals passiert ist! Dafür gibts keinen Beweis!”

Deirdre griff in die Tasche und zog ihren PDA heraus.  “Ahemm…”

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