EVE Online – Die Weltenarche (Teil 1)

Die Weltenarche  (Teil 1)

Womit bezahlt man einen Unsterblichen? ISK? Nein. Ich lebe ewig, selbst auf einer OxygenFarm könnte ich zum Millionär werden, einfach mit der Zeit.

Aber das mache ich natürlich nicht. Wir gewöhnen uns an den Luxus der Unsterblichkeit. An den Luxus vor allem. Mit der Unsterblichkeit ist es eine andere Sache, aber scheiß drauf, darum geht es hier nicht.

Also zurück: Womit bezahlt man Wesen wie mich? Mit Erfahrung. Dies sollte man wissen, um einige Entscheidungen zu verstehen, die ich in der nachfolgenden Geschichte treffe.

Hauptsächlich lag ich in der Leere und schautee meinen Drohnen zu, wie sie ISK für mich aus den Asteroiden brechen. Meine Orca hatet allen Luxus den es auf dem Markt gab, aber das ist nebensächlich – ich lage in meiner Kapsel und dämmerte vor mich hin. In jener Halbform des Schlafes, den nur wir Kapselpiloten kennen. Meine Haut war geschützt durch Schild, das Herz der Reaktoren pumpte die Energie durch den stählernen Leib. Ab und an prasselte der leichte Regen der Geschütze hirnloser Sansha auf mich hernieder. Die Schilde hielten. Natürlich, wie immer.

Ein leichtes Zittern ging durchs Schiff und holte mich kurz aus der Lethargie des Halbschlafs. Ein kurzer Check aller Systeme hat mir verraten, dass alles ruhig war. Der Hangar war fast voll.

Mit den Augen der Scanner sah ich die Schatten meiner Corpmitglieder neben mir in der Leere in ihren Schiffen treiben. Alles ist friedlich, nur die Wracks der Ratten umkreisten mich langsam. Ich rief meine Drohnen zurück und startete den Antrieb zur Station. Dort erwartete mich eine heiße Dusche und ein kalter Gin Tonix in der Bar. Wenn ich Glück hätte, hat Resi Dienst. Sie macht die besten Pfannkuchen in der ganzen Region.
Langsam drehte sich die Elfe und sprangt in den Warp. Ich hatte das Schiff nach meiner Exfreundin benannt, bzw nach dem Spitznamen, den ich ihr immer gab. Eine junge Industrievorarbeiterin auf Caldari Prime. Sie kam in den Unruhen ums Leben die die Gallente Bastarde angezettelt haben.

Ausgestoßen aus dem elenden Tank und auf dem Weg zur Dusche ließ mich ein ungewöhnlicher Klang meines Neocoms aufhorchen. Genervt und um meine wohlverdiente Dusche gebracht ging ich an das Terminal und startete den Sensorcheck. Auf der Panzerung meiner Orca hat der Routinescan der Station ein Objekt entdeckt, das sich stark in das Schiff gebohrt hat. Und zwar so tief, dass die Wartungsanlagen es nicht einfach aus dem Rumpf schneiden konnten. Die Kameras zeigten ein scharfes Bild meiner Elfe und ich zoomte auf die markierte Stelle. Dort fand ich ein großes schwarzes verbranntes Stück Metall, das sich wohl mit großer Wucht durch meine Schilde gebohrt hat und dann am Rumpf auftraf. Der Scanner erfasste die typischen Metalllegierungen eines Caldarischiffes. Aber der Scanner zeigte noch etwas anderes… Leben.

Sie räckelte sich lasziv auf dem Laken, als ich mein Quatier wieder betrat. Drei Monate ist es her, dass wir ihren halbverkohlten, aber noch lebenden Körper aus den Resten der Notfallkapsel schälten, die halb zerschellt an meiner Schiffshülle klebte. Sie hat mir mittlerweile oft und intensiv gedankt, dass ich ihr das Leben rettete und ihren Körper in der Station wieder zusammen flicken ließ. Sie ist keine Unsterbliche und manchmal bin ich etwas neidisch auf die Gefühle, die sie im Angesicht des Todes durchleben musste. Dies ist etwas, dass mir verwehrt ist.

Ich legte mich zu ihr. Das Bett war für mich alleine konzipiert und so verbrachten wir die Nächte aneinander gekuschelt. Allein dies schaffte schon eine gewisse Vertrautheit. Der großartige Sex, den wir immer wieder hatten, steigerte dieses Gefühl noch weiter. Sie war hübsch, wobei ich ihre Herkunft kaum erkennen konnte. Sie hatte keine der typischen Charaktermerkmale der vier großen Nationen. Auf ihre Vergangenheit angesprochen schwieg sie und den Namen den sie mir nannte glaubte ich ihr nicht. Sie wird ihre Gründe haben. Und ehrlich muss ich sagen, es ist mir auch egal. Sie trug kurze rote Haare, war über der Rücken mit einem Blumenmuster tätowiert und übersäht mit Sommersprossen, was wohl dem Zustand zu verdanken war, dass die Station recht nah an der Sonne liegt. Und in Anbetracht dessen, das wir uns in sicherem Gebiet befinden sind auch die großen Fensterfronten meiner Station nicht von den Sicherheitsluken verschlossen. So dringt das Licht der Sonne von Miakie in meinen Raum und lässt ihre Haut die Punkte bilden.

Ich streife meinen Overall ab und gleite zu ihr ins Bett. Routiniert streichel ich ihren Rücken, lasse meine Fingerspitzen langsam von ihren Nacken abwärts gleiten, meine Fingernägel hinterlassen dünne weiße Linien auf ihrer Haut. Sie reagiert auf mich, atmet tiefer und dreht sich auf den Rücken, so dass ich gezwungen bin nun ihre schönen Brüste zu streicheln. Fest griff ich zu und näherte mich ihr, um mit meinen Zähnen an ihren Brustwarzen rumzuknabbern. Und dann langsam mit meiner Zunge tiefer zu gleiten. Einen kurzen Stop bei ihrem Bauchnabel einzulegen, ihn mit der Zunge zu umkreisen, um dann wieder weiter auf meine Reise nach unten zu gehen. Ihren wundervollen roten Haaren entgegen, die sie kurzgeschoren zwischen den Schenkeln trug. Ihr Geruch macht mich wahnsinnig. Aber nicht dumm.

Es klingelte an der Tür und seufzend erhob ich mich vom Laken, schritt, wie die Klonkammer mich schuf, zur Tür und öffnete sie. Draußen stand Debora. Eine junge Kapselpilotin. Während sie versuchte an mir vorbei ins Zimmer zu linsen und einen Blick auf meine Bettgefährtin zu werfen, reichte sie mir eine Datentafel mit den Infos, die sie herausfinden sollte. Als ich ihr dankend die ISK überwies, fiel mein Blick auf den Laser, den sie an der Hüfte trug. Den hatte ich nie an ihr bemerkt. Die Tür glitt wieder zu und wir waren endlich wieder alleine. Mein Blick viel auf die Datentafel und die Informationen die dort gespeichert waren über die Hintergründe meiner Geliebten, die hinter mir im Bett lag. Debora hatte gute Arbeit geleistet und die DNA-Proben mit den Datenbanken Concords verglichen, ohne zu viel Aufregung zu verursachen. Der Name meiner Geliebten fiel mir direkt ins Auge und umso mehr ich las, umso nervöser und seltsamerweise auch erregter wurde ich. In meinem Bett lag die fürchterliche Piratin Scarlett. Eine Legende im All. Die einzige Person, die es je geschafft hatte alle vier grossen Piratenfraktionen zu vereinen und auf deren Tod ein solches Kopfgeld ausgesetzt war, dass es einen jüngeren Kapselpiloten sicher sofort zum Handeln gezwungen hätte. Ich hingegen schlenderte zurück zum Bett legte die Datentafel neben mich, wobei deutlich sichtbar der Name zu lesen war. Sie bemerkte es, las den Text, ließ sich sonst aber wenig anmerken. Ich wusste nicht, ob sie beunruhigt war oder nicht.

„Weißt du wie man Scanner umgeht?“

Nein, das wusste ich nicht. Die Scanner meiner Schiffe waren hoch präzise und konnten mit wechselnden Einstellungen alles bis zu der Größe eines Staubkorns in direkter Umgebung meines Schiffes aufspüren.

„Es gibt zwei Möglichkeiten: Sei zu weit weg oder sei zu nah dran. Deine Scanner haben mich nicht als Bedrohung registriert, weil sie mich als Teil des Schiffes war genommen haben. So konnte ich auf diese Station kommen, ohne irgendeine Überprüfung.“

Sie zog einen Dolch hervor, den ich damals aus den Wracks eines Bloodraider Schiffes geborgen habe und der bisher immer ein unbeachtetes Dasein in den unteren Schubladen meines Schrankes gefristet hatte.

„Ich werde mir mit deinem Zugangscodes Zugriff auf die Station beschaffen und die Schilde runterfahren. Meine Leute sind schon unterwegs. In spätestens zehn Minuten wird diese Station brennen und wir werden bevor Concord kommt genug Schiffe und Material geborgen haben, so dass wir heute Abend an den Lagerfeuern unserer Verstecke ausgiebig feiern können. Es tut mir leid, mein Geliebter. Du solltest fliehen.“

Mit diesen Worten rammte sie mir den Dolch in mein Herz.

Der Schmerz war stechend und langsam breitete sich eine Wärme auf meinem Oberkörper aus, als mein Blut an mir runterlief, rhythmisch aus der Wunde spritzend. Mit letzter Kraft drückte ich einen Notfallschalter an meinem Neocom. Der Boden meines Zimmers kommt mir mit rasender Geschwindigkeit entgegen. Ich schließe die Augen.

Und reiße sie wieder auf. Ich schwebe in Flüssigkeit. Mein Gehirn brennt durch den plötzlichen Datentransfer und verschwommen sehe ich durch die animotische Flüssigkeit Debora gegen die Scheibe des Tanks klopfen. Mit einem saugenden Geräusch fängt die Kammer an die Flüssigkeit abzupumpen. Undeutlich höre ich den Stationsalarm im Hintergrund und spüre Einschläge auf der Station, als die Angreifer systematisch die Abwehrstationen unter Beschuss nehmen. Debora zieht mich aus den Resten des Schleims. Panisch erzählt sie mir, dass die Station von einer großen Flotte angegriffen wird. Mein Signal hat sie sofort die Schiffsprotokolle unserer beiden Notfallschiffe starten lassen, die im Hangar unverzüglich abflugbereit gemacht wurden. Dann ist sie mit dem Wissen, wen ich in meiner Kammer beherbergt habe, zur Klonstation gerannt und hat auf das Erwachen eines meiner Klone gewartet.

„Du bist so ein Idiot“

Ja, das bin ich.

Nachdem eine Maschine mir Standardversionen der Argumentierungen in den Schädel gerammt hat, rennen wir los. Mein Körper fühlt sich neu an. Wichtige Narben fehlen und irgendwie fehlt mir mein Drei-Tage-Bart. Ach scheiße, um was ich mir wieder Gedanken mache. Der Hangar liegt nicht weit unter uns in der Station. Welche Schiffe Debora wohl ausgewählt hat? Ich hoffe nicht die Elfe. Mit einer Orca zu fliehen, würde mir wohl einen Oscar in dem Film „Dümmste Aktion auf der Flucht“ einbringen. Schade, dass ich die Elfe verlieren würde. Sie war mir immer treu.

„Ich hab dir die „Jeton“ und mir meine „Faust der Caldari“ startklar gemacht.“

Eine gute Wahl. Zumindest für mich. Die Jeton war ein Schiff der Orthusklasse und diese wurde gerne von Piraten geflogen. Ich hoffe die kurze Verwirrung würde mir helfen wegzukommen. Deboras Wahl war da schon heikel. Die Faust war eine Drake. Ein gut mit Schilden ausgestattetes Schiff der Caldari. Sehr stabil, aber langsam und träge. Wenn die Piraten sie einmal im Netz hätten, würde es für Debora kein Entkommen geben. Aber das ist ihr Risiko. Wir rannten weiter. Im Hangar war die Hölle los. Viele Schiffe legten ab und ich erkannte viele Mitglieder meiner Corp, die ihr wichtigstes Hab und Gut in die Schiffe luden. Ob wir wohl kämpfen wollen?

„Nein es sind zu viele.“

Ich entdeckte Resi neben mir, sie war immer noch in den Barkittel gekleidet und sah sehr verängstigt aus.  Die Arme. „Ich hab aus dem Fenster geschaut, Die Luken waren ja nicht geschlossen. Es waren Hunderte und immer noch setzten Schiffe aus dem Warp über. Unsere Leute werden beim Abdocken sofort zerstört. Ich weiss nicht, was wir machen sollen.“ Und dann fing sie bitterlich an zu weinen, während immer mehr Schiffe starteten und wohl in ihren sicheren Tod flogen. Ein Rumpeln ging durch die Station und die Lichter vielen mit einem Schlag aus. Zwei Herzschlage später setzte die Notbeleuchtung ein und tauchte alles in ein gespenstisch rotes Licht. Die Sirenen gaben weiter ihr nervtötendes Signal von sich. Eine Nachricht erreichte mein Neocom, ich schaute etwas verdutzt auf die Botschaft und rannte los.  Debora sollten auf ihr Schiff und Resi  in die Frachtabteilung der Jeton. Ich konnte dort Bedingungen schaffen, in der sie überleben konnte. Aber bitte dock nicht ab, Debora. Es wäre dein Tod. Und ich brauche deine Schilde.

„Alles klar.“

Es war ein Sprint von nicht einmal fünf Minuten von hier zu meiner Unterkunft, als ich dort ankam setzten schon die ersten lebenserhaltenden Maßnahmen der Station aus. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis die Station auseinander brach. Aber die Schwerkraft und der Sauerstoff funktionierte noch. Das es kälter wurde war dabei erst mal egal.

Meine Tür glitt auf die Seite.

„Ich wusste, dass du kommst. Du liebst mich.“

Nein, dass tue ich nicht.

„Mach mich los. Bitte. Sie müssen für ihren Verrat an mir bezahlen. Ich kenne Verstecke, ich kenne Unterschlüpfe.“

Ich trat zu der Leiche meines Klons. Ein seltsames Gefühl, als ich den Dolch an mich nahm, der mich getötet hat. Ging zum Schreibtisch rüber und schnitt Scarlett los.

„Wir sollten rennen“ und wir rannten.

Der Hangar war leer. Bis auf die Jeton und die Faust lagen auch keine Schiffe mehr vor Anker. Reif überzog schon die Geländer. Sobald wir zu zweit näher an die Schiffe kamen und Debora mitbekam, wen ich da im Schlepptau hatte, sah ich wie die Waffensysteme der Drake hochfuhren.

 Alle Module aus, Debora. Sofort. Wir spielen Tod.

„Was?“

Fahr deine Scheiß-Systeme runter. Und mach keine Szene. Wir verlassen die Station als Trümmer. Der Plan ist nicht neu und wurde schon hunderte Male vor uns erprobt. Im toten Schiff bleiben, bis die Station zerbricht, dann im Trümmerregen im Schatten der Explosionen direkt auf Warp. Ziel das Sprungtor nach Merz. Das Andere im System führt uns ins Lowgebiet. Daher kommen die Piraten und wir würden ihnen in die Arme springen. Und jetzt Ruhe. Wir starten, wenn ich das Signal gebe.

Nachdem Scarlett zu Resi in den Frachthanger kam und ich den Beiden den Plan erklärt habe, zog ich mich in meine Kapsel zurück. Das warme Gel beruhigte mich. Tief in mir fühlte ich mich lebendig und ich freute mich auf die kommenden Minuten. Die Haut meines Schiffes, die jetzt die meine war, fühlte sich kalt und leblos an. Der Reaktor lief auf Notsystem, doch die Baterien waren voll. Ich checkte die Module. Das Schiff ist auf einen Kampf mit anderen Kapselpiloten ausgerüstet. Für eine schnelle Flucht hätte ich andere Ausrüstung  gewählt. Aber es muss gehen. Die Systeme sagten mir 3,2 Sekunden bis vom Stillstand in den Warp. Das war verdammt langsam, aber noch immer mehr als doppelt so schnell wie die Faust brauchte.

Um uns herum zerbrach die Station, Streifen brennenden Sauerstoffs leckten an der Panzerung und ich gab das Signal. In diesem Moment explodierte der Tank einer Raffinerie in der Nähe und hüllte uns in brennende Gase. Es war so perfekt, als hätte ich es geplant. Das Schiff summte als es mit 300 Metern pro Sekunde beschleunigte und die Risse in den Wänden rasend näher kamen. Ein normaler Pilot wäre jetzt zerschellt, doch wir sind Kapselpiloten. Durch die roten Schleier der Explosionen sah ich eine riesige Flotte vor der Station, wobei viele Schiffe schon angefangen hatten sich um die Plünderung und Zerlegung der Station zu kümmern und wohl nicht mehr ernsthaft mit einem Ausbruch gerechnet hatten. Doch einige waren flink. Mein Scanner reagierte sofort, als er merkte, wie die Schiffe versuchten die Jeton aufzuschalten. Gelbe Markierung erschienen vor meinem geistigen Auge. In dem Moment sprang die Drake und einen Augenblick später sprang auch ich. Der Funk erwachte zum Leben.

„Fuck, war das knapp. So eine Flotte habe ich selten erlebt. Hatten die Capitals dabei?“

Ist gut Debora. Beruhige dich, wir sind gleich raus. Sofort durchs Tor und in Merz unseren Sicherheitspunkt anspringen. Ich bin sicher dort treffen wir noch andere Corpmitglieder. Meine Sorge über den toten Lokalfunk, der normalerweise eine offene Kommunikation in einem System ermöglicht, behielt ich für mich. Etwas stimmt nicht. Debora sei bitte vorsichtig.

Wir fielen aus dem Warp. Ich einige Sekunden vor Debora. In den ersten Bruchteil einer Sekunde scannte ich die Lage und erschrak. Das Tor war zerstört. Die Trümmer des Tors und der Wächter drifteten langsam auseinander. Definitiv hatten die Piraten mehr Feuerkraft im System, als es vermuten ließ. Vielleicht gab es mehr Angriffe auf Stationen als nur auf unsere. Ich muss hier weg, schnell. Ich bin sicher hier verstecken sich noch Piraten, um Flüchtlinge als leichte Beute abzufangen. Doch wohin? Ich hatte keinen Scansonden, war also auf große Anomalien angewiesen. Schnell Alex. Konzentrier dich. Drei Sekunden bis zum Eintreffen Deboras. Drei Anomalien waren erkennbar. Eine Station der Sansha. Ganz blöde Idee. Ein unregelmässiger Asteroiden-Gürtel. Der brachte mich auch nicht weiter. Und ein Gebiet, das ich nicht kannte. Die Einträge waren vage und schwammig. Also dahin. Ich funkte Debora die Koordinaten zu ED-276. Sofort nach Eintritt in den Realraum ausrichten. Nachbrenner an und springen. Debora kam. Und in diesem Moment enttarnten sich mehrere Schiffe der Piraten und kamen mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Die gelben Symbole brannten sich wieder in meine Retina. Wir richteten uns aus. Debora sprang. Ich direkt mit ihr. Unsere Schiffe lagen gleichauf im Warp. Ich habe mich ihr angepasst.

„Fuck Fuck Fuck…..“

Ja. Ich weiß, dass sie uns folgen. Sie werden kurz nach uns eintreffen. Wenn wir ankommen sofort Schilde hoch und möglichst Geschwindigkeit aufnehmen. Feinde so gut es geht ignorieren und nach Fluchtpunkten Ausschau halten. Drohnen raus um sie zu beschäftigen.

Wir fielen wieder einmal aus dem Warp und wieder einmal in eine völlig neue Situation. Vor uns trieben seltsame Steinformationen im All. Es war still. Stelarer Nebel behinderte die Sicht und in der Mitte der Steinformationen drehte sich eine kosmische Anomalie um sich selbst. Keine Gegner. Deborah nahm Kurs auf. Ihre Hülle glitzerten, da der Nebel mit den Schilden reagierte.  Ich tat es ihr gleich, doch zu spät. Direkt hinter uns kam eine kleine Armee aus dem Warp gesprungen. Sofort heulten alle Systeme der Jeton auf. Es waren dreißig oder vierzig Kontakte und es wurden mehr. Die kleineren Abfangjäger hatten mich sofort aufgeschaltet und hinderten mich am Warpsprung, während die Größeren noch einige Zeit brauchen würden um mich in die Zielerfassung zu bekommen. Plötzlich pulsierte die Anomalie vor uns und einige Schiffe brachen völlig überraschend daraus hervor. Sie nahmen Kurs auf uns schienen aber sowohl mich und Debora als auch die Piraten aufs Korn zu nehmen. In Angesicht dieser Gefahr drehten die Piraten bei und nahmen eine Verteidigungsformation ein. Der Schlagabtausch war kurz und heftig und die fremden Schiffe wurden von der Feuerkraft sehr schnell pulverisiert. Wieder pulsierte die Anomalie. Es blieb mir nur eine sehr kurze Zeit für eine wirklich doofe Idee. Mal schauen ob es ein Zwei-Wege-Portal ist.

„Nein, da mache ich nicht mit!“

Warum nicht?

„Wenn ich hier platze, wache ich in einer schönen Station weit entfernt von dem ganzen Mist auf. Wenn ich dir folge, werde ich vielleicht den Kontakt zum bekannten Universum verlieren und sterben. Endgültig. Ich versuche hier mein Glück.“

Viel Glück, Kleine.

Debora drehte und eröffnete das Feuer auf das erste Schiff in ihrer Nähe, während im selben Moment die zweite Welle Schiffe aus der Anomalie hervorbrachen. Ich zählte langsam bis 1,7 und stürzte mich Vollgas in das pulsierende Schwarz vor mir.

Wieder umfing mich Nebel. Mein Scanner spielte verrückt und es gab keine Möglichkeit zu bestimmen, wo zur Hölle ich mich befand. Seltsame Gravitationskräfte rissen an meinem Schiff und ich flog auf Sichtweite. War ich in einem Wurmlochsystem? Es fühlte sich seltsam anders an. Rote Streifen flogen an mir vorbei. Das müssen Schiffe mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit sein. Vielleicht kommen sie ihren Freunden zu Hilfe, die draußen gegen die Piraten kämpfen.

Ich glitt weiter. Der Nebel lichtete sich etwas. Der Scanner sprang an und so konnte ich etwas die Umgebung in Augenschein nehmen. Ich wusste, wo ich war. Ich hatte Berichte gehört, sie ein wenig als Spinnereien abgetan; als Ereignisse die weit weg stattfanden. Nun auch konnte ich die unbekannten Schiffe zuordnen. Ich war bei den Triglavian. Jener Rasse, die seit kurzer Zeit im bekannten Universum angekommen ist und sich wie ein Geschwür ausgebreitet hat.

Hier waren wir also. Vielleicht die ersten Menschen die ein Heimatsystem dieser mysteriösen Rasse besucht. Ich teilte meine Erkenntnisse mit den beiden Damen im Frachtraum. Scarlett war froh endlich was von mir zu hören, da sie nicht viel mehr mitbekommen hatte, als schnelle Kurswechsel und immer wieder die Sprünge in den Warp.

Vor mir befand sich eine unglaublich dunkle Wand aus Nebel. Da ich ja scheinbar nicht als Bedrohung angesehen wurde, schaltete ich die Scheinwerfer an, um etwas zu sehen. Der Nebel reagierte auf mein Licht. Ein Zittern lief durch ihn. Lichter brannten auf. Rote dunkle unheilvolle Lichter und aus dem Nebel schob sich langsam ein monströses Ding. Und es dämmerte mir, das ich vor dem größten Gebilde stand, dass ich je gebaut gesehen habe. Ein Schiff von der Größe eines Mondes. Und es war sich meiner Anwesenheit bewusst. Ich sah, wie sich Waffen aufluden und fällte kurzerhand eine Entscheidung, die ich möglicherweise bereuen würde. Scarlett?

„Ja?“

 Weißt du wie man einem Scanner umgeht? Haltet euch fest und versucht zu überleben.

Ich gab volle Geschwindigkeit und prallte mit 600 Metern pro Sekunde auf dieses Gebilde. Trümmer flogen um mich. Panzerung verformte sich. Leitungen platzten. Ich wurde aus der Kapsel gerissen, prallte irgendwo gegen, überschlug mich immer wieder landete hart und versank in Ohnmacht.

Und erwachte in einem Raumanzug.

„Na Süßer, wir haben ganz viel Glück, aber keine Zeit. Steh auf, wir müssen hier weg.“

Ich rappelte mich hoch. Die Magnetarretierungen meiner Stiefel schnappten an das Metall des Schiffes und gaben mir ein erstes Gefühl von Sicherheit. Wo zur Hölle hast du die Anzüge her Scarlett? Wo ist Resi?

„Das ist eine lange Geschichte, für die wir leider keine Zeit haben. In 500 Metern ist eine Luke, die ins Innere des Schiffes führt. Resi wartet dort auf uns. Sie ist eine zähe Braut.“

So machten wir uns auf den Weg ins Innere der Weltenarche. Was wir dort fanden erzähle ich euch bei unserem nächsten Gin Tonix. (Weil auch meine 3500 Wörter fast verbraucht sind)